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Himalaya Motorrad-Expedition 25.7.-9.8.2013 - von Peter Markreiter

Mit diesem Beitrag feiert Peter Markreiter aus Kolbermoor seinen Einstand als Redaktionsmitglied von Motorrad-Tourer.com. Schon seit über 30 Jahren bereist der umtriebige Mediziner aus dem bayerischen Kolbermoor die Welt, nutzt dabei unterschiedlichste Fortbewegungsmittel und wird nun künftig auch hier über seine Erlebnisse berichten. Seine spektakuläre Motorradreise auf das Dach der Welt im vergangenen Sommer ist der richtige Einstieg.

 

 

 

„Der Himalaya ruft“! Dane – eine Marke der MotoPort e. K. aus Oldenburg suchte die ultimativen Testcrew für den Härtetest. Im April 2013 las ich diese Aufforderung in einer Motorradzeitschrift.

 

Gewinnspiel DANE

 

Seit Kindertagen fasziniert mich das höchste Gebirge der Welt. Als Schulkind lauschte ich gespannt einer nepalesischen Delegation, die unsere Volksschule in Fischbachau im oberen Leitzachtal besuchte. Als Jugendlicher durfte ich während meiner Ausbildung am Amtsgericht Miesbach und Landgericht München II den Direktor des Amtsgerichts in Miesbach und seine Frau auf den Touren durch die einheimischen Berge begleiten, wenn sie sich wieder auf ihre Expeditionen in den Himalaya vorbereiteten. Fasziniert folgte ich ihren Berichten. Später las ich begeistert jede Reportage, jedes Buch, sah jeden Film von und über Reinhold Messner, Erhard Loretan, Peter Habeler, Gerlinde Kaltenbrunner.


Da ich nicht nur begeisterter Bergsteiger, sondern auch Motorradfahrer bin, erschien mir die erste Annäherung an mein Traumgebirge mit Motorrad besonders reizvoll, um mir erste persönliche Eindrücke vom Himalaya und seinen grandiosen Passstraßen zu machen.


Warum also nicht den Einstieg suchen über die höchsten Passstraßen in Ladakh? Zunächst bewarb ich mich wie ca. 450 weitere Interessenten um einen Gratisplatz. Leider zählte ich nicht zu den Gewinnern. Als aber kurz darauf eine Mail folgte, dass noch Restplätze frei sind, buchte ich die Reise. Das Gesamtpaket mit 1990 € plus Flugkosten bot ein sehr interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis.


Zwei Probleme galt es noch kurzfristig zu lösen:
Bereits zu Beginn des Jahres hatte ich mit meiner Frau und im Betrieb den 3wöchigen Jahresurlaub für Ende Juni/Anfang Juli festgelegt. Meine Frau stimmte schließlich zu, dass ich den Urlaub um 1 Woche verkürzte und mein Abteilungsleiter genehmigte die Reise nach Indien, obwohl mein Kollege zu dieser Zeit bereits Urlaub eingetragen hatte.


Und meine Frau musste das erste Mal in 22 Jahren unseren Hochzeitstag ohne mich feiern. Also Visum besorgen, Impfungen auffrischen und ergänzen, Reiseapotheke zusammenstellen, packen und auf zum Flughafen München. Fast hätten Unfälle und Staus auf der A8 am Irschenberg und auf der A9 zwischen Kreuz München-Nord und Eching das Erreichen des Fliegers noch verhindert.

 


25./26. Juli 2013
Doch gerade noch pünktlich zum Boarding um 19.15 Uhr erreichte ich den Flug LH 262 München-Dehli am 25.7.2013. Um 19.50 Uhr hoben wir ab.

 


 

 

Mit 3,5 Stunden Zeitverschiebung landeten wir am 26.7.2013 (unser Hochzeitstag) um 6.45 Uhr in Dehli. Mr. Moti, unser Tourguide von Motorcycle Expedition, India, erwartete uns bereits.


Unser Team war in 2 Gruppen angereist. Das Dane-TEAM flog mit Turkisch Airlines Hamburg – Istanbul – Dehli und war bereits vor Ort. Drei Teilnehmer – Johann Lodina aus Nürnberg, Martin Wenzel aus Dresden und ich – flogen mit Lufthansa direkt von München nach Dehli.

 


Mit von der Partie sind:
 

Jens Föhl, Geschäftsführer und Eigentümer der Fa. Motoport

 

 

 


 Sven „Macgyver“ Svensson – Der Mann für alle Fälle – Fa. Motoport

 

 

 


 Thorsten Grube – Topmodell Fa. Motoport

 

 

 


 Bernd Spille – Topmodell Fa. Motoport

 

 

 


 Johann Lodina – Datenbankspezialist aus Nürnberg

 

 

 


 Adrian Fried – Student der Holztechnik demnächst in Rosenheim

 

 

 


 Stephan Maderner – Chefredakteur von „Bike und Business“

 

 

 


 Martin Wenzel – Immobilienhändler aus Dresden

 

 

 


 Mr Moti – Tourguide der Fa. Motorcycles Expeditions India

 

 

 


 Mr Ramen – Motorradmechaniker – Herr der Royal Enfields

 


Nach einer ca. 40 minütigen Busfahrt kamen wir im Hotel Florence in Neu-Dehli an, begrüßten die Teilnehmer aus dem Norden, nahmen zusammen ein Frühstück ein, zogen uns bis Mittag auf die Zimmer zum Ausruhen zurück, bevor wir zusammen das erste indische Mittagessen in einem nahegelegen Restaurant einnahmen.


Straßenszene Neu-Dehli
Dehli ist im Juli heiß (40°) und feucht (Luftfeuchtigkeit 95 – 99 %). Selbst für Mitteleuropäer, die zu Hause ebenfalls bei 35-40° schmorten, sehr  gewöhnungsbedürftig, da die Hitze zuhause trocken ist. Problematisch für uns auch der Wechsel zwischen Waschküche und zu stark klimatisierten Räumen in Hotels und Restaurants und Tourist-Bussen (18 – 20°).

 

                   

 

Vor dem Bus-Transfer Dehli – Manali (550 km) in der Nacht besuchten wir noch den historischen Qutb-Komplex (manchmal auch Qutub oder Qutab geschrieben). Es ist ein Gelände in Mehrauli im Süden der indischen Hauptstadt Delhi, auf dem die Ruinen der ersten – nach der muslimischen Eroberung der Stadt erbauten – Moschee Delhis stehen (um 1200). Der Gesamtkomplex wurde von der UNESCO im Jahre 1993 als Weltkulturerbe eingestuft.

 

26./27. Juli 2013
Die Busfahrt nach Manali in den Bundesstaat Himachal Pradesh ist ein Abenteuer für sich. Die ersten 250 km führen zunächst von Dehli (Höhe 250 m) über relativ gut ausgebaute Straßen in der Ebene bis nach Chandigarth (Höhe 350 m). Nun windet sich die Straße immer enger und kurviger in die Höhen des Kullu-Tales auf 1950 m nach Manali.


Die indische Fahrweise unterscheidet sich so fundamental von der deutschen, dass es zunächst verwundert, dass es in dem dichten Verkehr nicht ständig zu Kollisionen kommt. Indien fährt – wie Großbritannien – links. Auf mehrspurigen Straßen fährt der Inder jedoch auf der Spur, auf der er am schnellsten vorwärts kommt. Hupen und links vorbei, rechts vorbei. Bei Gegenverkehr Nerven behalten und durch. Unser Busfahrer hat darin eine wahre Meisterschaft entwickelt, er überholt alles, ob Mopeds, LKWs, PKWs, Duk-Duks (dreirädige Mini-Taxis).


Nach 14 Stunden und wenig Schlaf erreichen wir Manali im Himachal Pradesh am Morgen des 27. Juli gegen 8.30 Uhr. Mit einem Kleinbus gelangen wir in unser Hotel Highland über Old Manali. Und da stehen sie: 11 blankgeputzte wunderschöne Royal Enfield 500 Bullets. Der Anblick fasziniert. Ein Schauer geht über den Rücken. Mit diesen Motorrädern wollen wir die nächsten Tage die höchsten Pässe der Welt erobern, über groben Schotter, Schlammlöcher, Flüsse, Sandwüsten und wenig Asphalt.


Vor der ersten Testfahrt erholen wir uns zunächst von der anstrengenden Nachtfahrt. Doch mittags geht es los: erste Testfahrt durch Manali nach Naggar. Antreten wie in längst vergangenen Zeiten mit dem Kickstarter – Erinnerungen an die SR 500 werden wach. Dann ein wunderschönes tiefen Stampfen des Einzylinder-Langhubers, der das Gas gut annimmt und wie ein Traktor losstampft. Die Sitzposition ist entspannt, für die Straße wunderbar handlich, mit dieser Maschine jedoch off-road zu fahren, ist zunächst kaum vorstellbar. Doch die Straße nach Naggar ist gut, Handling passt, Kurvenlage lässt sich problemlos bis zum Aufsetzen der Fußrasten einnehmen. Vertrauen wächst.

Naggar ist eine alte Stadt am linken Ufer des Flusses Beas auf einer Höhe von 1851m. Es bietet eine traumhafte Aussicht auf das Kullu-Tal. Naggar war bis im Jahre 1460 die Hauptstadt des Kullu-Tals, bis diese nach Sultanpur verlegt wurde. Heute ist Naggar ein sehr beliebter Ausflugsort. Er liegt 26 km südlich von Manali. Manali liegt in einer Höhe von 1900 m am Fluss Beas, 40 km nördlich der Stadt Kullu und 50 km südlich des Rohtang-Passes. Die Stadt ist aufgeteilt in das heutige moderne Markt- und Touristenzentrum Manali (die alte Poststation “Duff Dunbar” der Briten rechts der Beas), das inzwischen komplett bebaute Aleo am linken Beas-Ufer und das ursprüngliche “Old Manali”, etwa 2-3 km nordwestlich oberhalb des Manalsu Nalla malerisch auf einem Hügel gelegen mit Obstgärten, traditionellen Stein- und Lehmhäusern und frei laufendem Vieh.

 


28. Juli 2013
Nach einer geruhsamen Nacht starten wir zu unserem Trans-Himalaya-Abenteuer am Morgen des 28. Juli 2013. Und bereits am ersten Tag wartet die technisch wohl schwierigste Tagestour.


Der Rohtang-Pass (Hindi: रोहत%ग दर( ; deutsch „Leichenberg”) ist ein strategisch wichtiger Gebirgspass in Nord-Indien im Inneren des Himalaya-Gebirges (Pir Panjal Range) auf der Route des Manali-Leh-Highways. Er befindet sich im Bundesstaat Himachal Pradesh und verbindet das Flusstal des Beas im Süden (Kullu-Valley) mit demjenigen des Chandra, eines Quellflusses des Chenab, im Norden. Der Pass erreicht offiziell eine Höhe von 3978 m über dem Meeresspiegel und liegt etwa 50 km nordöstlich der Stadt Manali.


Über ihn führt eine nur in den Sommermonaten befahrbare Straßenverbindung, der National Highway 21, die das nordwestindische Punjab mit den Berg- (und Grenzregionen) von Ladakh verbindet. Der Pass ist sowohl Wetter- als auch Kulturscheide, indem er die eher feuchten, monsunbestrichenen hinduistisch geprägten Regionen des Hügel- und Mittellands von den buddhistisch geprägten wüstenartigen Hochgebirgsregionen des Himalaya trennt.


Der Pass wird je nach Witterungslage in den Wintermonaten, die von Oktober bis Juni dauern können, gesperrt. Bis zur Öffnung im Juni (in Extremfällen auch Ende Mai) vergehen meist vier bis sechs Wochen, in denen die im Sommer als Straßenbautrupps eingesetzten Arbeiter den Pass von den Schneemassen befreien.


Am Fuß des Rohtang ist im Winter ein kleines Skigebiet, welches ein beliebter Ausflugsort insbesondere für Hochzeitsgesellschaften ist. Seit Frühjahr 2010 wird in 3100 m Seehöhe ein 8,8 km langer hufeisenförmiger Tunnel mit zwei Fahrstreifen gebaut. Unter der Hauptfahrbahn wird ein Fluchttunnel in den Tunnelquerschnitt integriert. Die Fertigstellung ist für Ende 2015 geplant. (Quelle: Wikipedia)


Der Rohtang-Pass ist zwar der niedrigste Pass auf unserer Tour, aber fordert uns alles ab. Die Südseite des Passes (von Manali bis zur Passhöhe) stellt die erste hohe Barriere für die anströmenden Wolken dar, deshalb ist diese Seite nebelig, feucht – häufig regnet es, die Sicht beträgt oft nur 20 m. Sind die ersten Kilometer noch asphaltiert, wird die Straße, je mehr man sich der Passhöhe nähert, immer schlammiger. An Engstellen kommt es zu langen Staus, da die Fahrspur nur einspurig befahrbar ist und selbst Motorräder ausweichen müssen, um den großen LKWs Platz zu machen.


Erst kurz unter der Passhöhe löst sich der Nebel auf, die Straße wird wieder besser. Für die Aufstiegsstrapazen entlohnt über den Wolken eine fantastische Fernsicht mit den ersten weißen Riesen im Hintergrund. Es folgt eine Wahnsinnsabfahrt in das Tal des Chandra. Über Schotterpisten und tiefe Schlamm- und Wasserlöcher windet sich die Straße hinab an den Fluss Chandra. Sie fordert erste Opfer. Sven „Macgyver“ Svensson bleibt im Schlammloch stecken. Beim Versuch, ihn und sein Motorrad mit einem Toyota Innova aus dem Dreck zu ziehen, passiert es: Der Toyota zieht an, die Enfield mit Sven im Sattel macht einen Satz und beide landen im Schlamm. Mühsam werden Fahrer und Maschine geborgen, aus dem Dreck gezogen und geschoben. Im Tal angekommen, muss sich Sven erst des Schlammes aus Schuhen und Unterwäsche entledigen.


Nach einer kurzen Stärkung folgen wir den Kurven des Flusses Chandra bis zur ersten Tankstelle in Tandi. Während wir dort auf alle Teilnehmer warten, ereignen sich die nächsten Unfälle. Sven, nach seinem Sturz in das Schlammloch, gibt richtig Gas, was ihm in einer Linkskurve nach einer Brücke zum Verhängnis wird: Es hebt ihn aus, er bekommt die Kurve nicht mehr und fliegt mit Karacho in eine Geröllhalde. Dank der Protektoren und des erstklassigen Qualität seines DANE-Motorradanzuges zieht er sich nur Prellungen zu, sein Motorrad hat es schlimmer erwischt: Seine Gabel ist so verbogen, dass sie gewechselt werden muss. Schon hier zeichnet sich ab, dass die Reise für Sven nicht den gewünschten Verlauf nimmt.


Großes Glück hat auch unser Youngster. Adrian Fried, 23, stürzt und wirft sich 2 m vor einem herannahenden Jeep zu Boden. Auch er kommt mit dem Schrecken davon. Er hatte bereits bei der Auffahrt zum Rothang-Pass Probleme, die Maschine nicht auf die Straße zu legen. Bisher nur ABS-Bremsen gewohnt, bremste er eine Kurve zu scharf an, sodass das das Vorderrad wegschmierte, mit Geschick und Glück gelang es ihm, einen Sturz gerade noch zu vermeiden.


Mit vollem Tank überqueren wir den Chandra, verlassen dessen Tal und folgen nun dem Fluss Bhaga. Wir gewinnen über Keylong rasch an Höhe und folgen der asphaltierten Straße nach Jispa. Erschöpft und glücklich, den ersten Tour Tag gemeistert zu haben, legen wir uns im Hotel nach einem gemütlichen Dinner zur Ruhe. Dagegen muss unserer wichtigster Begleiter Mr Ramen schwer bis in die Nacht arbeiten: Er zerlegt Svens Gabel und baut eine neue ein. Wir werden von einem Kleinbus begleitet, der ein Ersatzteillager mitführt.

 


29. Juli 2013
Die Sonne begrüßt uns am Morgen des 29. Juli. Die Royal Enfields erwarten uns bereits mit ihrem kernigen Sound. Mr Ramen hat alle Maschinen bereits gestartet und lässt sie warmlaufen.


Heute erklimmen wir den Baralacha La (La = Pass), der mit 4890 m bereits höher ist als der Mont Blanc. Ladakh heißt deutsch: Land der Pässe!. Der Fluß Bhaga fließt tief im Tal, wir durchqueren wilde Bäche, gelangen schließlich an einen kleinen Bergsee über 4000 m Höhe. Die härtesten unserer Crew (Martin, Markus, Johann und Adrian) nehmen ein Bad bei gefühlten 4° C. In Patseo stoppt uns plötzlich das Militär. Sie führen Sprengungen am Berg durch. Plötzlich knallt es heftig und obwohl wir vermeintlich einen großen Sicherheitsabstand haben, schlägt ein handballgroßer Steinbrocken 10 m neben unseren Maschinen ein. Mit dem Schrecken davon gekommen, keuchen unsere Maschinen und wir Richtung Passhöhe. Zu unserer großen Überraschung wird die Straße nun breiter und ist frisch asphaltiert, sodass fast Alpenpassfeeling aufkommt.


Angekommen auf dem Baralacha La schnaufen wir kräftig durch. Hat riesig Spaß gemacht. Und wir kriegen immer noch genügend Luft, um die gigantische Aussicht zu genießen. Die saftig grünen Wälder und Wiesen, die uns auf den Rothang La begleiteten, haben uns längst verlassen. Das Klima ist trocken, die Landschaft karg, braun, trocken.


Der Baralachala La (auch Paralatse La) liegt im Distrikt Lahaul und Spiti des Bundesstaates Himachal Pradesh im Nordwesten Indiens. Er trennt die Quellgebiete des Bhaga und des Chandra, welche nach ihrem Zusammenfluss in Tandi nahe Keylong als Chandrabhaga in südwestlicher Richtung dem Indus zufließen vom Quellgebiet des Yunan, welcher über den Tsarap Chu und den Zanskar in nördlicher Richtung zum Indus fließt. Dabei trennt der etwa 3 Kilometer südlich des Manali-Leh-Highway gelegene südliche, 4940 Meter hohe, nur zu Fuß zu überquerende Pass die Täler des Yunan und des Chandra, der nördliche, vom Manali-Leh-Highway genutzte, 4890 Meter hohe Pass die Täler des Yunan und des Bhaga. Bedingt durch die Höhenlage ist er nur saisonal (Mai bis September) eingeschränkt nutzbar, der südliche Pass wird in den Monaten Juli bis September als direkte Verbindung zwischen Ladakh beziehungsweise Zanskar in das Spiti-Tal genutzt.


Wir fahren nun auf einer wilden Off-Road-Piste hinab in das Tal des Yunan und erreichen am Nachmittag Sarchu (4290 m Höhe), unser erstes Zeltquartier. Die Abfahrt entlang der wilden Schlucht ist atemberaubend. Als wir die Kamerafahrt von Martin abends nochmals auf dem Macbook verfolgen, wird uns fast schwindelig beim Blick in den Abgrund.


Der 2. Tag blieb unfallfrei. Doch nun liegt Sven mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall im Zelt. Dane-Chef Jens Föhl kommt im leichten Laufschritt auf mich zu und bittet um ärztliche Untersuchung und Beratung. Kaum ist Sven versorgt, kommt der nächste Ruf von Jens. Stephan Maderner, Chefredakteur der Motorradfachzeitschrift „Bike und Business“, musste sich auch soeben übergeben, klagte über starke Kopfschmerzen, die sich jedoch rasch wieder besserten. Am nächsten Tag klagten jedoch fast alle Teilnehmer über Kopfschmerzen. Dies ist jedoch nicht verwunderlich, da keiner der Teilnehmer in so kurzer Zeit akklimatisiert ist.

Ich hatte mich vor der Reise im Hermann-Buhl-Trainings- und Forschungszentrum Bad Aibling informiert. Relativ unbedenklich sind Höhen bis 5600 m, sofern man relativ rasch wieder in tiefere Lagen zurückgekehrt. Problematisch sind Übernachtungen über 4000 m. Ich führte einen Pulsoxymeter mit. Bis 70 % Sauerstoffsättigung lässt sich das Blut durch kontrollierte Hyperventilation wieder bis auf 90 % sättigen. Ich empfahl bei Atemnot, den Oberkörper aufzurichten und wiederholt tief Luft zu holen und dies in relativ hoher Frequenz. Gegen die Kopfschmerzen halfen Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen.

 


30. Juli 2013
Trotzdem waren die Teilnehmer und ich am nächsten Tag wie gerädert. Und heute standen drei Pässe von fast 5000 m auf dem Programm.  Wir starten früh. Wir fahren zunächst zum Checkpunkt in Sarchu, überqueren den Fluss Tsarap Chu, fahren auf geschundenem Asphalt zunächst entlang des Flusses, bevor sich die Straße in wilden engen Kehren bis auf den 4730 m hohen Nakee La schlängelt. Nach der Fotoshow führt die off-road Piste ein paar Hundert Meter hinab, bis sie sich entschlossen auf den 4927 m hohen Lachulung La windet. Wir genießen die wunderbare Aussicht in die kargen 6000er.


In einem wilden Ritt geht es hinunter nach Pang, wo wir in einem Nomadenzelt ein tibetanisches Mittagsmal einnehmen. Die Kopfschmerzen sind bei den meisten wieder verschwunden. Der Tee schmeckt, die Suppe und das Fladenbrot auch.


Nachmittags schrauben wir uns in die Hochebene der Pang Moore Plains und genießen 60 km beste Asphaltstraße mit einigen kurzen Sprüngen über eingebaute Sprungschanzen. Die Royal Enfields geben alles. Mit bis zu 100 km/h schießen wir über die Plains.Einmal stärken wir uns noch bei den Nomaden mit einem Glas Tee, bevor wir über eine off-road Piste dem zweithöchsten Pass der Welt entgegenstreben: Tanglang La, 5300 m. Die Aussicht wird immer bizarrer. Die Wüste, die schroffen, kargen Schuttgipfel, die höchsten mit weißem Mantel umhüllt.


Weiter geht’s wieder über Asphalt ins Tal nach Rumtse. Mr Moti hat ein Zeltlager organisiert. Diesmal weniger komfortabel. Zweitmannzelte mit einem aus dem Erdreich ausgehobenen Loch zur Entsorgung des Verdauungstraktes. In der Nähe ein Fluss, der zum Bade und zum Posen vor der Kamera einlädt. Gutes tibetanisches Abendessen aus der Feldküche. Mein Zelt- und Zimmergenosse und ich genießen nach einer schönen Lagerfeuerrunde die klare Nacht unter freiem Himmel. Wir ziehen unsere Schlafmatten ins Freie und beobachten die Milchstraße, die hier ohne künstliches Licht wunderschön zu sehen ist, verfolgen die Sternschnuppen und schlafen schließlich ein. Gegen 3 Uhr morgens wechsle ich ins Zelt, da der Tau sich auf
meinen Daunenschlafsack gelegt hat.

 


31. Juli 2013
Morgens wache ich gut erholt auf. Geweckt werden wir wie jeden Tag durch die brummenden, stampfenden Enfields, die Mr Ramen zum Morgengruß startete. Sven hat sich mittlerweile wieder etwas erholt und fährt wieder auf dem Motorrad mit uns. Heute steht eine kurze Tour mit Kultur auf dem Programm. Wir fahren zunächst das Flüsschen Gya bis zur Mündung in den Indus bei Upshi entlang. Die Straße bietet herrliche Kurven und guten Asphalt. In Upshi passieren wir den Checkpunkt.


Während Mr Moti die Formalitäten mit den Permits erledigt, nutzt Jens die Zeit, um mit Topmodell Thorsten wieder Bilder für den DANE-Katalog 2014 zu schießen. Jens und sein Topmodell nutzten jede freie Minute auf den Pässen, an Wasserfällen oder an sonstigen interessanten Locations, um Bildmaterial zu gewinnen. Darüber hinaus scheute Jens keine Mühen, auch genügend Filmaufnahmen mit seiner GoPro einhändig an der Gruppe vorbeirauschend zu produzieren.


Abends wenn wir uns entspannten, saß er bereits wieder an seinem Notebook, sortierte und kopierte die Aufnahmen des Tages oder kopierte die Aufnahmen der anderen Filmemacher auf seinen Laptop, schrieb Tagebuch für die Dane-Website. Mindestens genauso beschäftigt war Tag für Tag Stephan Maderner, der rasende Chefredakteur von „Bike und Business“. Fleißig führte er mit jedem Teilnehmer Interviews, notierte sich die Eindrücke des Tages, schrieb am Abend das Tour-Logbuch. Sobald in Dehli, Manali oder bald in Leh eine Internetverbindung ruchbar wurde, setzte er seine schriftstellerischen Ergüsse nach Deutschland ab, um die geneigte Leserschaft, über die Erlebnisse vor Ort zu informieren. Das Tagebuch von Stefan Maderner ist unter www.bikeundbusiness.de nachzulesen, das von Jens Foehl, Fa. Motoport, unter http://dane-online.de/das-tour-tagebuch-teil1/. Um auch die Social Networks zu informieren, erfolgten – sobald eine Internetverbindung verfügbar war, Einträge in die Facebook-Seiten von Dane oder bikeundbusiness. Die Daheimgebliebenen nahmen die Einträge dankbar an, was die Zahl der „Gefällt mir“ Buttons beweist.


Erster kultureller Höhepunkt auf dem Weg nach Leh ist das Kloster Hemi. Es ist ein tibetanisches buddhistisches Kloster (Gompa) der Drukpa Linie, 45 km vor Leh gelegen. Es wurde 1672 vom König Sengge Namgyal aus Ladakh wieder gegründet. Der Erstgründung reicht in das 11. Jahrhundert zurück. Das große jährliche Hemifestival, das Padmasambhava ehrt, findet jedes Jahr Anfang Juni statt. Mehr Informationen unter http://www.drukpa-hemis.org/.


Kloster Thiksey

Nach dem Besuch des Klosters geht es weiter nach Thiksey zum Mittagessen direkt vor der gigantischen Klosteranlage, die an das Heimatkloster des Dalai Lama in Lhasa, Tibet, erinnert. Da unser Guide Mr Moti darauf hinweist, dass sich die Klöster im Inneren sehr ähneln und wir bei fast 40° C fast zerfließen, verzichten wir auf die Besichtigung und machen uns auf nach Leh, Hauptstadt Ladakhs. Wir sehnen uns nach den letzten Tagen wieder nach einem Hotel, Duschen, Rückzug ins Private.


Leh (Tibetische Schrift: !ེ་; Wylie: Gle) ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir. Sie ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts und Hauptort der Region Ladakh. Leh gehört zu den höchstgelegenen ständig bewohnten Städten der Erde. Bei der Flutkatastrophe im Sommer 2010 wurden weite Teile der Stadt verwüstet. Leh liegt auf der nördlichen Seite des Indus an einem Berghang. Der Ort selbst wurde auf dem unfruchtbaren Hang abseits der fruchtbaren Hochebene angelegt, um nicht wertvolle Ackerfläche zu verbauen. Die Kaltwüste auf 3501 Metern Höhe bezieht nahezu ihre gesamte Wasserversorgung aus dem Indus, der den ganzen Sommer über Schmelzwasser aus den Bergen mit sich führt.


Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt nur etwa 87 mm, die Temperatur liegt zwischen bis zu -30 °C im Winter und +40 °C im Sommer. Leh war in vergangenen Zeiten Teil von Groß-Ladakh, das sich vom Kailash und dem Manasarovar bis Swaat (Dardistan) erstreckte. Ladakh war jedoch nicht unter Herrschaft Tibets oder unter dessen Einfluss. Die Geschichtsschreibung der Perser und Chinesen zeigt, dass im 7. Jahrhundert ein erbitterter Krieg um diese Bergregion geführt wurde. Die Gegend wurde ein Schlachtfeld für die Armeen. Im 8. Jahrhundert begann sich Persien an den Kriegen zu  beteiligen und wechselte mehrmals die Seiten zwischen China und Tibet. Bekannt ist, dass der Herrscher Kaschmirs, Laltadita, Ladakh eroberte.


Die ursprünglichen Bewohner waren Dards und Indo-Arier, die vom Unterlauf des Indus kamen, aber Einwanderung aus Tibet über mehr als tausend Jahre hat diese Kulturen verschwinden lassen. Der Buddhismus erreichte Tibet über Ladakh. Seit dem 10. Jahrhundert bis zur Gründung Indiens und Pakistans war Ladakh ein unabhängiges Königreich an der Seidenstraße und eine Bastion des Buddhismus. Nach dem Zensus von 1981 sind die Religionszugehörigkeiten in Leh folgendermaßen verteilt:


Buddhismus: 81 %
Islam: 15 %
Hinduismus: 3 %
andere: 1 %


Missionare der evangelischen Brüdergemeinde aus Herrnhut in Sachsen haben im 19ten Jahrhundert in Leh den christlichen Glauben einzuführen versucht. Straßenanbindung besteht über den Manali-Leh-Highway und dem Srinagar-Leh-Highway. Beide werden von den Road Construction  Companies der indischen Armee gepflegt. Der Manali-Leh-Highway führt über den Taglang La, mit 5300 Metern der zweithöchste befahrbare Pass der Welt. Eine dritte Straße führt über den Kardung La in das Nubra-Tal. All diese Straßen sind nur von Juni bis September befahrbar.


Der Flughafen Leh (IATA-Code: IXL) befindet sich ca. 5 Kilometer südwestlich von Leh entfernt und trägt den Namen des verstorbenen Kushok Bakula.


Es existieren tägliche Verbindungen nach Delhi sowie mehrmals wöchentlich nach Srinagar, Chandigarh und Jammu. Diese Flüge können jedoch aufgrund der geringen atmosphärischen Dichte auf 3500 Metern nur mit reduziertem Gewicht starten, so dass nur etwa halb so viele Passagiere pro Maschine transportiert werden können wie bei einem Start auf einem regulären Flughafen unter 1000 Metern. Besonders im Winter fallen die Flüge oft ganz aus.


In vergangenen Zeiten brachte die Seidenstraße Wohlstand nach Leh. Heute sind die beiden Haupterwerbszweige die Herstellung von Schmuck, vornehmlich aus Silber, sowie der Tourismus. Die Region kann die meisten benötigten landwirtschaftlichen Güter selbst produzieren, jedoch müssen viele Güter importiert werden. Während der Sommermonate werden die Vorräte an allem, was man benötigt, aufgestockt, da eine Lieferung im Winter nur auf dem teuren Luftweg möglich ist. Aufgrund der starken Militärpräsenz ist besonders die Stromversorgung überfordert und Strom nur für wenige Stunden pro Tag verfügbar. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leh)


Nicht nur die Stromversorgung bricht immer wieder zusammen, sondern auch die Internetverbindung zur Außenwelt. Während der Strom oft rasch wieder zur Verfügung stand, war oft stundenlang keine Internetverbindung verfügbar, was besonders Stephan und Jens viel Nerven kostete, wollten Sie doch Ihre Bilder und Geschichten nach Deutschland über den Datenhighway schleusen. Unsere Gewinner der Reise – Adrian und Martin – erkundeten lieber die Stadt und machten sich auf die Suche nach weiblicher Bekanntschaft. Sie kamen, sahen und fanden: Anna und Hanna – zwei 22jährige Mädchen aus Hamburg, die schon 7 Monate in Indien und Südostasien unterwegs waren. Sie sollten uns die nächsten Tage begleiten.

 


1. August 2013
Nach dem Frühstück teilt sich heute die Gruppe. Die kulturell Interessierten erkunden Leh, die eventoriertierten buchen eine Rafting-Tour auf dem Zanskar. Unter der Anleitung eines Nepalesen stürzten sie sich in die braunen Stromschnellen des Zanskar bei Chilling und kehren abends begeistert zurück. Obwohl ich selbst begeisterter Kajakfahrer bin, reizen mich heute die Klöster und das alte Königsschloss über Leh. Zusammen mit Jens, den Modells Thorsten und Bernd, sowie mit Stephan, dem Chefredakteur machen wir uns auf den Weg durch die Altstadt hinauf zum alten Königspalast. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt bei einem Schlangenbeschwörer. Bernd ist so mutig und lässt die Schlange auf seinem Kopf tanzen: Großes Kino.


 Weiter geht es über enge Treppe und Gassen dem Palast entgegen. Der vielstöckige Palast steht heute leer. Er entstand im 16. Jahrhundert, als sich Ladakh durch den Einfluss des Gelbmützenorderns und die Islamisierung Kaschmirs stärker nach Tibet orientiert hatte und von diesem religiös und kulturell beherrscht wurde.


Der Palast ist verfallen, die Familie des Herrschers längst in den Palast nach Stok umgezogen. Für Jens und seine Modells bietet er jedoch eine hervorragende Kulisse für das Foto Shooting.


Stephan und ich folgen einem schmalen Fußpfad bergauf zum Tsemo Gompa und das bereits in Ruinen gelegene Fort aus dem 15. Jhdt. Oben angekommen, haben wir atemberaubende Aussichten auf die Stadt von Leh und das Indus Tal. Sehr beeindruckend auch der Maitreya-Tempel unterhalb des Forts aus dem 14. Jhdt. Wir steigen auf der Westseite über Treppen hinab in die Stadt, wandern vorbei an schönen und zum Teil verfallenen Häusern, an Kühen und Hunden und suchen schließlich in der Stadt einen Silberschmuckhändler auf, der uns vormittags freundlich den Weg gewiesen hat.


Stephan und ich brauchen noch ein Geschenk zum Hochzeitstag, den wir ohne unsere Frauen im fernen Himalaya verbringen. Wir lassen uns die schönsten Stücke aus der Silberwerkstatt präsentieren. Auch wenn die Auswahl schwer fällt, finden wir wunderschöne Halsketten, die hoffentlich auch unseren Ehefrauen gefallen. Wie scheinbar verabredet, treffen wir auf unser DANE-Foto-Team und begeben uns auf eine Dachterrasse zum kühlen Lunch, beobachten das Treiben in Leh und genießen den Augenblick.


Anschließend leihe ich mir ein Mountainbike und fahre auf die Shinta Stupa auf dem anderen Hügel über Leh. Während man beim Motorradfahren sogar den Eindruck hat, dass man beim Fahren leichter Luft bekommt als im Stehen und Gehen, spürt man beim bergauf radeln sofort die Höhe. Ich kämpfe mich auf über 3500 m und schnaufe wie ein Walross. Der Ausblick entlohnt für die Mühen. Nach einem kurzen Rundgang genieße ich die Abfahrt, gebe das Rad zurück und relaxe im Hotel.


Am Spätnachmittag kommen die Abenteurer vom Zanskar zurück mit tollen Filmen. Martin und Adrian begeben sich sogleich wieder in die Stadt, um die Mädels zu suchen. Sie werden uns morgen auf den höchsten befahrbaren Pass begleiten.

 


2. August 2013
Heute gilt es. Der Traum aller Teilnehmer soll wahr werden. Wir werden heute den höchsten Punkt der Tour erreichen: den Khardung La, 5602 m. Der Kardung-Pass (auch Khardong Pass, Khardung La) liegt in der Ladakh Range im Distrikt Ladakh im Nordwesten Indiens und gehört zu den höchsten befahrbaren Gebirgspässen der Erde.


Von Leh (3500 m Meereshöhe) windet sich die größtenteils asphaltierte Straße 39 Kilometer lang zum Kardung-Pass, der das Industal mit dem vom Shyok durchflossenen Nubra-Tal verbindet. Wegen des Grenzkonflikts Indiens mit Pakistan und China (strategisch wichtiger Punkt ist der Siachen-Gletscher im Karakorum) wird die Straße fast ganzjährig vor allem für Militärfahrzeuge geräumt und offengehalten. Auf halber Strecke passiert man einen Kontrollpunkt der indischen Armee (South Pullu), wo dem Reisenden die Einreisepapiere abverlangt werden. (Den Permit bzw. die Reisegenehmigung für sieben Tage erhält man für ca. 100 Rupien über diverse Reisebüros in Leh.)


Weiter führt die Straße, die oft auch im Sommer durch Schneefälle und wegen der schlechten Bereifung der Fahrzeuge schwer passierbar ist, bis hinauf zur Passhöhe, von wo aus man den ersten Blick auf das Karakorum-Gebirge hätte, würden die Wolken nicht über dem Sassergebirge im Nubratal hängen. So müssen wir uns mit der Aussicht auf die 7000er begnügen: Saser Kangri I 7670m, Saser Kangri II 7500m, III 7560m, IV 7310m, V 7100m, VI 7300m.

Der Aufstieg mit den Motorrädern endete ca. einen halben Kilometer vor der Passhöhe, weil die Straße verbreitert wird und deshalb oft stundenlang mit Kraftfahrzeugen nicht passierbar ist. Anstatt lange zu warten, ziehe ich zu Fuß mit dem Rucksack und meiner Canon EOS 650 samt 70-300 m Tele los, um den K2 einzufangen. Die anderen folgen kurz darauf. Nachdem wir den Rundblick und Ausblick ausgekostet haben, gehen wir wieder zurück zu unseren Maschinen, wendeen und fahren zurück nach Leh. Morgen soll es wieder über das Industal und den großen Süßwassersee Tso Morini zurück Richtung Manali gehen. Es sollte anders kommen.

 


3. August 2013
Nachdem wir das Hotel Hill Down (gesprochen Hilton) geräumt haben, fahren wir zunächst entlang des Indus Richtung Upshi, biegen diesmal aber nicht Richtung Tanglang La ab, sondern folgen weiter dem Indus Richtung Chumathang. Bereits auf der Fahrt dorthin steigt Sven vom Motorrad wieder in den Bus um, weil er sich nicht wohl fühlt. Als wir schließlich gegen Mittag eine Pause machten, schleppte er sich aus dem Bus, legte sich in den Schatten einer Hütte und lag da wie ein Häufchen Elend. Es schüttelte ihn am ganzen Körper, war kaum noch ansprechbar, Temperatur 39,5° C, Herzfrequenz 160/min, Blutdruck 100/60 mm HG.


Hatte sich sein Zustand die letzten Tage wieder deutlich gebessert, brach er nun völlig ein. Da das heutige Zeltquartier am Tso Morini fernab jeder Stadt wieder auf über 4000 m gelegen wäre, entschied ich mit dem Patienten zurück nach Leh zu fahren und ihn ins Krankenhaus in Leh einzuweisen.


Wie Stefan schön in seinem Tagesbericht schrieb „Einer für alle, alle für einen“ beschloss die Truppe, auf das Tagesziel zu verzichten und mit Sven und mir zurück nach Leh zu fahren. Ich versuchte ihn mit Elektrolyten, Glucose, Paracetamol und einem Breitbandantibiotikum zu stabilisieren. Sven wollte auf keinen Fall ins Krankenhaus. Ich stieg mit ihm in den Bus. Der Puls normalisierte sich nach 3l Flüssigkeit, wir stoppten zweimal zum Wasserlassen und erreichten schließlich nach ein paar Stunden wieder unser Hotel Highland in Leh, das Gott sei Dank die Zimmer noch nicht wieder vergeben hatte. Großes Lob auch an DANE-Chef Jens Foehl, der nicht zögerte, die Extrakosten für die Übernachtung der Teilnehmer zu übernehmen.


Sven stabilisierte sich wieder, die Temperatur sank, Puls war wieder bei 100/min, Blutdruck 120/80 mm Hg. – sodass ich bereit war, die Krankenhauseinweisung aufzuschieben. Da uns jedoch 450 km von der nächsten Stadt mit Krankenhaus trennten, versuchte ich über seine Auslandsreiseversicherung zu klären, ob ein Rücktransport mit Flugzeug ab Leh in Frage käme. Die freundliche Dame am Telefon ließ mich jedoch wissen, dass hierzu eine Krankenhausabklärung unabdinglich sei. Der medizinische Dienst der Versicherung bräuchte eine exakte Diagnose, Laborwerte, im Übrigen käme derzeit ein Flug von 8 Stunden Dehli – Hamburg ohnehin wegen des hohen Fiebers nicht in Frage.


Doch die Natur und der liebe Gott halfen. Am Morgen des 4. August war Sven fieberfrei, schwach aber zumindest im Bus transportfähig, sodass Sven und ich beschlossen, eine Reise in unserem Bus zu risikieren.

 


4. August 2013
So starteten wir am Morgen erneut Richtung Upshi, Sven im Bus, ich wieder auf dem Motorrad. Bei jeder Pause kurze Rückfrage nach dem Befinden. Er hielt sich tapfer. Wir nahmen nun wieder den Weg über den Tanglang La und bogen dann in Debring Richtung Tso Kar, einem kleinen Salzsee ab.


Für die Off-Road Junkies ein weiteres Highlight. Was bisher an herausfordernden Untergründen gefehlt hat, kam jetzt: Sand! So stürzte sich jeder so gut er konnte ins Vergnügen oder … zu Boden! Markus, mit diesem besonderen Untergrund noch nicht sehr vertraut, versuchte den Profis allen voran Martin am Hinterrad zu bleiben, was er jedoch mit einem bösen Highsider bezahlte. Begraben unter seinem Motorrad blieb er zunächst liegen, sammelte Kräfte, wühlte sich heraus und wuchtete das Motorrad wieder in die Senkrechte. Aber er ist ein zäher Hund, schüttelt sich, steigt auf und braust weiter Richtung Zeltstadt. Respekt! Zum seinem Glück oder Pech hat Johann alles gefilmt, sodass er den Sturz bis in die Nacht hinein analysieren kann.


Markus hat uns über die Tage ohnehin immer wieder gefordert. Er hat ein besonderes Faible für Verkehrsschilder oder für die Rettung verlorerer Gegenstände anderer Mitfahrer. Dabei vergas er leider, dass er sich in einer Kolonne bewegte, die so dicht beieinander fuhr, dass der Sicherheitsbremsabstand oft unterschritten wurde. So konnte wir Zusammenstöße nur dank unserer Reaktionsschnelligkeit verhindern, um dem plötzlich in die Eisen steigenden Markus wieder auszuweichen. Ansonsten erfüllte er uns aber mit viel Freude, da er immer und überall zu jedem Thema einen wertvollen Beitrag leisten konnte.


Unser DANE-Filmteam macht sich mit unserem Off-Road-Spezialisten Martin auf an den Tso Kar, wo er schließlich auch noch mit dem Boden Bekanntschaft macht und sich schließlich für seine Hilfe, Adrian wieder flott zu bekommen, von oben bis unten mit Schlamm eingeweicht wird. Der DANE-Anzug hat es ausgehalten! Auf dem Rückweg zum Zelt bekommt die Gruppe auch noch einen Hagelschauer ab, während wir vom Zeltplatz aus das Naturschauspiel von Regenschauern, Hagel und blauem Himmel bewundern.


Sven regeneriert zunehmend, nimmt am Abendessen jedoch noch nicht teil und läuft die ganze Nacht zur Toilette, sodass wir mit dem Nachfüllen von Wasser, Elektrolyten und Zucker kaum hinterher kommen.  Leider fordert Markus nicht nur die Verarbeitung seines Sturzes. In der Nacht befällt ihn ebenfalls ein Magen-Darm-Infekt mit solcher Heftigkeit, dass Stefan von 4 – 7 Uhr morgens Zeuge heftigster Waschaktivitäten Markus´wird. Doch er ist wie schon erwähnt ein harter Hund und schwingt sich nach dieser Nacht wieder aufs Bike.

 


5. August 2013
Der Himmel blau, die Regenschauer vergessen starten wir auf unsere längste Etappe. Zunächst über die Sandpisten wieder auf zurück auf die asphaltierte Strecke der Pang Plains, hinunter nach Pang und schließlich über die uns bereits bestens bekannten Pässe Lachulung La, Nakee La zurück nach Sarchu. Kurz dahinter treffen wir den Chef der Motorcycles Expedition Mr BUDDHI SINGH CHAND mit einer Truppe verrückter Australier. Einer fuhr statt mit Motorradschutzkleidung lieber mit einem Bärenkostüm! Nach kurzem Austausch ging es weiter über den Baralacha La hinunter zum Badesee unserer Heroen. Auf dem Weg dorthin zeigte sich bereits, dass diese Etappe doch die Konzentrationsfähigkeit überforderte. Ohne Namen zu nennen: Ein Teilnehmer schaffte es nicht mehr nach eine kleinen Flußquerung die Linkskurve zu bekommen und verbog sich seinen Lenker bei der Fahrt gegen  die Wand. An unserem Badesee angekommen, scheiterten zwei Kollegen daran, ihre Motorräder noch auf die Seitenständer zu bekommen. Zweimal machte es Plumps und die Maschinen lagen am Boden. Schnell vergessen machte dies jedoch der reizende Sohn der Nomadin, die uns nochmals mit Tee versorgt. Begeistert trug er den Helm von Johann.


Gesund gelangen wir schließlich nach über 200 km wieder nach Jispa, wo wir am Lagerfeuer nach dem Abendessen den Tag und allmählich auch die Tour ausklingen lassen. Sven geht es wieder so gut, dass er den letzten Tag wieder auf dem Motorrad in Angriff nehmen möchte.

 


6. August 2013
Letzter Tourtag. Wieder meint es Petrus gut mit uns. Wir starten in einen schönen Tag, aber mit gehörigem Respekt vor dem „Leichenberg“. Doch die Straßenarbeiter haben ganze Arbeit geleistet. Das Schlammloch, in dem Sven bei der Hinfahrt versunken war, ist verschwunden. Es wurde mit der Planierraupe zugeschüttet. Die einzige Herausforderung wartet wieder auf Passhöhe. Wir verschwinden komplett im Nebel, und die gefürchtete Schlammengstelle bei der Auffahrt hat sich verlängert.

Doch routiniert nach diesen Tagen, meistern wir auch diese Passage problemlos, zu meiner besonderen Freude auch Sven, der wieder mit von der Partie ist. Auf der nebeligen, regnerischen Abfahrt nach Manali ereilt Jens noch ein Platten, der jedoch von Ramen problemlos wieder geflickt wird. Wir passieren noch einen beinahe abgestürzten LKW, dessen Fahrer noch leicht benommen im Führerhaus sitzt. Über Passanten lassen wir die Polizei verständigen. Heraus aus der Nebelsuppe warten wir in einem Teeladen auf Jens, um schließlich im Konvoi diese großartige Tour wieder am  Highland-Hotel in Manali zu beschließen. Glücklich klatschen wir uns am Parkplatz ab, verabschieden uns von unseren Maschinen. Am Vorabend haben wir bereits in Jispa für unserer herausragenden Mechaniker Ramen, seinen Gehilfen und den Busfahrer gesammtelt und ihm am Morgen Helm, Motorradjacke und ein extra Salär unter Beifall der Gruppe übergeben.


Am Abend gesellt sich noch der Manager der Motorcycle Expedition zu uns. Er überreicht uns als Gastgeschenk eine einheimische Kopfbedeckung und einen Schal. Jens bedankt sich bei Mr Moti, der uns noch nach Dehli begleiten wird und überreicht ihm ebenfalls noch eine Jacke und ein Extra-Honorar, das wir gerne für seine großartige Begleitung und Führung spendeten.

 

 

7. August 2013
Mit einem relaxten Besuch der Stadt Manali verbringen wir den Tag vor dem 14stündigen Nachtransfer nach Dehli.

 


8. August 2013
Am Morgen erreichen wir wieder das Florence Hotel in Dehli. Nach dem Frühstück ziehen wir uns bis Mittag zurück auf die Zimmer. Mittag brechen wir mit Mr Moti nochmals zur Sightseeing-Tour auf, fahren vorbei am Regierungsviertel, das die Engländer 1931 in Betrieb nahmen, vorbei am Red Fort und wollen schließlich die Moschee neben dem Basarviertel besichtigen. Nachdem uns die Moslem am Eingang derart unfreundlich empfingen, verzichten wir und begaben uns mit den Rikschas durch die engen Gassen der Basare. Zurück im Hotel feierten wir beim Abendessen gemeinsam Abschied von der „Tour unseres Lebens“.

 


9. August 2013
Die Nordlichter, die den Flieger nach Hamburg nehmen, verlassen das Hotel am Morgen des 9. August um 2 Uhr. Die Münchner Gruppe durfte bis 5 Uhr schlafen und wird von Mr Moti um 5.30 Uhr zum Flughafen begleitet. Pünktlich um 8.50 Uhr hebt die Lufthansamaschine in Dehli und landet um 13.15 Uhr in München. Das Abenteuer ist zu Ende.

 


Fazit:
Die Tour hat alle meine Erwartungen erfüllt. Sie ist anstrengend, erfordert körperliche Fitness und Off-Road-Erfahrung. Empfehlenswert für Teilnehmer 45 plus ist aus medizinischer Sicht ein Belastungstest. Begleiterkrankungen wie Koronare Herzerkrankung, Bluthochdruck, schwere  Stoffwechselerkrankung sollten ausgeschlossen sein. Die Höhe sollte nicht unterschätzt werden. Außer Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit beim Übernachten in Höhen über 4000 m traten keine Höhenkrankheiten wie Hirn- und/oder Lungenödem auf.


Die vorgehaltene medizinische Versorgung genügt auf der Reise unseren europäischen Maßstäben nicht. So wurde zwar im Bus eine Sauerstoffflasche mitgeführt, die erforderlichen Medikamente habe ich jedoch selbst mitgeführt. Für zukünftige Touren empfahl ich, dass ein kompletter Notarztrucksack oder –koffer mitgeführt wird, sodass auch Infusionen verabreicht werden können, da der Weg ins nächste Krankenhaus ob mehrere Stunden in Anspruch nimmt.


Neben den im Bericht beschriebenen Magen-Darm-Erkrankungen waren Halsschmerz, Reizhusten, Bindehautentzündungen aufgetreten. Obwohl fast jeder Teilnehmer mindestens einmal gestürzt war, kam es dank der hervorragenden Motorradbekleidung nur zu leichteren Blessuren wie Prellungen und Schürfungen.


Ansonsten war die Organisation der indischen Partner sehr gut. Wir fühlten uns immer gut betreut. Die Quartiere in den Städten genügen fast europäischen Ansprüchen. Auch die Zeltlager waren gut organisiert. Das Essen war gut und reichlich. Dem hohen Flüssigkeitsbedarf wurde immer Rechnung getragen. Bei jedem Stopp wurde uns frisches Wasser gereicht.


Überraschend war, wie geeignet die Royal Enfields auch Off-Road Gelände bewältigten. Herausragend war die Betreuung durch Mr Ramen, der in Windeseile jedes defekte Teil ersetzte und auch während der Fahrt alle Maschinen so schnell reparierte, dass das Tagesziel immer von allen erreicht wurde. Komplement für die deutschen Organisatoren Jens Foehl und Sven Svensson, die uns diese einmalige Tour ermöglicht haben.


Dank an Stephan Maderner, der unsere interessierten Daheimgebliebenen mit den neuesten Tagesberichten versehen hat.


Dank auch an das restliche Team, die Models Thorsten und Bernd, die Gewinner der Reise Arnd und Martin, dem Kollegen Markus und meinem Zimmergenossen Johann, die mit ihrem Humor und Teamgeist zum Gelingen dieser Abenteuerreise beigetragen haben. Dass Ladakh eine einmalige Kultur- und Naturlandschaft ist, und wir Europäer staunend und bewundernd davor stehen, versteht sich von selbst.

 

Bilder zur Tour findet ihr auf:

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