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Balkanska Ruta 2015

Nachdem mich im vorletzten Jahr Rumänien als Motorrad-Paradies begeisterte, ist im letzten Winter mein Entschluss gereift, dass es in diesem Jahr wieder in Richtung Südosten gehen soll. In diesem Jahr soll es eine schöne Runde durch den Balkan werden, eben die Balkanska Ruta 2015.

 


 

Zur Vorbereitung auf die Reise und Planung der konkreten Route habe ich mich natürlich wieder mit ein wenig Literatur versorgt. Fast so, als hätte ich rechtzeitig meinen Wunschtermin bekanntgegeben, hat der Berliner Trescher-Verlag, vielleicht DIE Experten für den osteuropäischen Raum, gerade seinen Reiseführer Albanien aktualisiert. Da war schnell klar, dass ich für dieses bislang noch eher wenig bereiste Land gerne auf die Tipps und Vorschläge der Profis zählen mag.

 


 

Nach der bisherigen Routenplanung soll der Einstieg in den Südosten Europas quasi als Appetizer über die slowenische Grenzkammstraße in den Julischen Alpen erfolgen. Der weitere Weg wird dann ein Stück der Küstenlinie Kroatiens folgen, aber auch einen Abstecher zu mehreren Drehorten der berühmten Karl-May-Verfilmungen am Mali Alan, einem eindrucksvollen Schotterpass im Dinarischen Gebirge, beinhalten. Über Montenegro soll es dann nach Albanien gehen, wo ich mich einige Tage aufhalten möchte.

 

Die Karte gibt den voraussichtlichen Routenverlauf wieder

Anklicken führt zum motoplaner

 

Anschließend wird mich mein Weg über Mazedonien und den Kosovo in die bulgarischen Vitosha-Berge, eventuell auch in die Iskar-Schlucht und zur Festung Kaleto führen, bevor ich die serbischen Wälder durchquere. Auch in Bosnien und Herzegowina werde ich mich ein wenig umsehen, um dann über die Wasserfälle der Plitvicer Seen in Kroatien wieder den Rückweg anzutreten. Interessante zwei Wochen mit fast 6000 km Strecke liegen ab Mitte Mai vor mir. Selbstverständlich werde ich - soweit die Zeit und vorhandene W-Lan-Netze dies zulassen - hier wieder möglichst täglich ein Update meiner Erlebnisse vornehmen, damit Ihr quasi live dabei sein könnt. In den sozialen Netzwerken erfolgt die Kommunikation unter dem Hashtag "#Balkan2015".

 


 

Gleichzeitig wird diese Reise auch der erste wirkliche Praxis- und  Härtetest für die neuen GlobeScout-Alukoffer werden und ich bin schon mächtig gespannt, wie sie sich unterwegs schlagen werden. Fortsetzung folgt.

 

 

 

Update 15.04.2015:

 


 

Ziemlich genau vier Wochen vor dem Tourstart ist der richtige Zeitpunkt für die Profis: Wie immer vor meinen größeren Reisen lasse ich mein Motorrad von Carlo, dem Schrauber meines uneingeschränkten Vertrauens und Inhaber der Selbsthilfe-Werstatt Pfiffikus, noch einmal auf Herz und Nieren prüfen. Dieses Mal gibt es auch einen ganz besonderen Grund:

 


Carlo, wie immer meine Lichtgestalt der Schrauberei :-)

 

Vom Vorbesitzer unserer Redaktions-12er GS wurde das Motorrad mit einem Fahrwerk der Firma Wilbers ausgestattet, allerdings ohne dass mir die Eckdaten des Settings bekannt waren. Bekanntlich stattet Wilbers seine Federbeine nach den Gewichtsangaben und Fahrgewohnheiten des Auftraggebers aus.

 


 

 

 

 


 

Und dann sind wir wohl in der vergangenen Woche bei einer kleinen Mehrtagestour mit Sozia und durchaus umfangreichem Gepäck in unseren GlobeScout-Koffern an der einen oder anderen Stelle über die Grenzen des verbauten Federbeins gegangen. Jedenfalls schlug es auf den letzten Kilometern mehrfach durch und auch die Federvorspannung ließ sich nicht mehr verändern, so dass nun neben der überfälligen Wartung des Federbeins auch eine Reparatur mit Austausch der Feder ansteht. Danach sollte das Federbein auch auf all das vorbereitet sein, was auf der Balkanska Ruta so auf mein Motorrad und mich warten wird. Ich hoffe nun, dass es die Experten von Wilbers schaffen, mir das Federbein rechtzeitig wieder herzurichten.

 


 

Darüber hinaus ziehen wir die ansonsten während der Tour fällige Inspektion vor, statten den Boxer mit frischem Öl aus und erneuern noch die Leuchtmittel des Scheinwerfers mit frischer Erleuchtung, damit am Ende mein fahrbarer Untersatz nach ebenfalls zu erneuernder technischer Überprüfung in optimalem Zustand die Reise beginnen kann.

 

Für mich heißt das, nun die Reparaturzeit zu nutzen, um weitere Karten und Reiseführer zu wälzen, die Route detaillierter zu planen und... mich mit einem neuen Spielzeug, das ich demnächst gesondert vorstellen werde, ein wenig zu beschäftigen. Als langjähriger Garmin-Nutzer sage ich nur: Auch andere Mütter sollen schöne Töchter haben... Aber dazu demnächst mehr.

 

 

 

Update 12.05.2015 – 1 Tag vor dem Start

 

 

 

Die vergangene Woche war eine gute Woche. Jedenfalls fast. Oder doch ganz?

 

Immerhin kam das gewartete und reparierte Federbein pünktlich von Wilbers zurück. Dass dies auch noch zu einem äußerst günstigen Preis von nur gut 160 Euro incl. Austausch der Feder möglich war, hat meine Laune deutlich gehoben und mir gezeigt, wie richtig meine Entscheidungen waren, beide Motorräder, die bei mir regelmäßig im Einsatz sind, mit Fahrwerken des westfälischen Herstellers zu versehen: Hier stimmt nicht nur die Qualität der Produkte, sondern auch und vor allem der Service, den man als Kunde erfährt, wenn es mal eng wird. Vielen Dank für diese tolle Hilfe!

 

Dann trudelte auch schon der neue TomTom Rider 400 bei mir ein, den ich – in einer etwas naiven Anfangseuphorie – gleich auf der Balkanska Ruta einsetzen wollte. Da ich aber schnell viele der im Netz bereits diskutierten Verbesserungsmöglichkeiten bestätigen musste, ist dieses Vorhaben auf Eis gelegt: Ich werde zunächst die ersten Firmware-Updates abwarten, bevor ich dieses Navi auf kürzeren Tagestouren in mir bekannten Gebiet austesten werde. Dann gibt es selbstverständlich hier auch wieder einen entsprechenden Bericht.

 

 


 

 

In Vorbereitung auf den Rider 400 hatte ich auch schon in den letzten Wochen begonnen, mich näher mit Tyre, dem Routing-Programm, zu befassen. Dazu gibt es zwar nach Registrierung des Rider 400 einen kostenlosen Zugang, aber ich hatte mir schon zuvor eine Version mit Lifetime-Update heruntergeladen. Was soll ich sagen? Tja, ganz ok, aber wofür braucht man dieses Programm? Ich habe für meine Einsatzzwecke noch keine Funktionalität entdeckt, dass die kostenlose Software des motoplaner.de nicht auch bietet. Beide greifen auf die jeweils aktuellen Karten von GooleMaps zurück und benötigen somit einen online-Zugang. Offline-Arbeiten ist dagegen bei beiden nicht möglich. Beide Tools können die geplanten Touren in verschiedenen Formaten exportieren. Für mich sind die Anzeigen der Gesamtstrecke und -zeit beim motoplaner angenehmer und übersichtlicher, so dass ich weiterhin auf dieses Online-Tool zurückgreifen werde und mich irgendwann nach der Rückkehr von der Balkanska Ruta erneut und mit Ruhe der Software Tyre widmen werde.

 

Also habe ich die Hoteladressen zusammengesucht, meine Tagesetappen im Einzelnen durchgeplant und an mein betagtes ZUMO 550 geschickt, Stiefel und Handschuhe erneut und mehrfach mit wasserabweisendem Wachs behandelt und mich noch immer nicht entschieden, welche Kombi ich auf der Tour nutzen werden: Das 3-Lagen-Laminat der ARMAS verhindert im Regenfall ein Durchfeuchten bereits der Außenschicht, dafür ist sie deutlich wärmer als die AIROAD. Nach den derzeitigen Wettervorhersagen werde ich es wohl sowohl mit Regenetappen als auch mit hochsommerlichen Temperaturen jenseits der 30 Grad zu tun bekommen. Hier droht eine gefühlsmäßige Spontanentscheidung kurz vor dem Reisestart.

 


 

Aber eine solche Reise ganz ohne Probierereien wäre ja langweilig: Mein bisheriges, etwas sperriges und nicht immer ganz zuverlässig festes Stativ, das ich immer um das Topcase herumgeschlungen auf der Sozius-Sitzbank Wind und Wetter aussetzen musste, bleibt dieses Mal daheim. Nach einiger Recherche bin ich in meiner eigenen Heimatstadt fündig geworden: Die Sirui Europe GmbH vertreibt aus Berlin äußerst hochwertige Foto-und Video-Stative. Mir hatte es gleich das TX-1205 angetan: Dieses aus Carbon gefertigte Reisestativ weist zwar ein äußerst topcase-freundliches Packmaß von nur etwa 35 cm Länge auf, lässt sich aber dennoch auf eine für mich immer noch sehr bequeme und vor allem sehr stabile Arbeitshöhe von 1,30 Meter ausfahren. Auch die lediglich 900 Gramm Gesamtgewicht prädestinieren dieses Stativ für den Einsatz auf dem Motorrad. Zusammen mit dem robust gearbeiteten Kugelkopf E-10, der eine vollständige Rotation um 360 Grad und mittels Schnellwechselplatte ein zügiges Handling unterwegs verspricht, sollte ich nun bestens für so manche fotografische Erinnerung gerüstet sein. Auch zu diesem Produkt gibt es dann im Anschluss an die Reise natürlich einen abschließenden Testbericht.

 

 

 

Und dann kam der Sonntag Abend: Von einem meiner Facebook-Freunde erhielt ich einen Hinweis auf etwas, das tatsächlich an mir vorbeigegangen war. In der nord-mazedonischen Großstadt Kumanovo gab es am Wochenende bei einem Polizeieinsatz gegen kosovo-albanische Terrorosten insgesamt 22 Todesopfer bei öffentlichen Schießereien in der Stadt. Hier entlud sich die schon seit längerem politisch und ethnisch angestaute Krisenstimmung. Auch wenn sich sowohl albanische als auch die Regierungskreise aus dem Kosovo um schnelle Deeskalation bemühten, ist im Hinblick auf einen erst drei Wochen zuvor erfolgten Überfall auf eine grenznahe Polizeistation nicht von der Hand zu weisen, dass sich hier ein neues „Pulverfass“ zu bilden scheint.

 

Warum erwähne ich das? Tatsächlich sollte in Anbetracht der wenigen passierbaren Grenzübergänge in den Kosovo meine Tagesetappe von Prishtina nach Sofia genau durch Kumanovo führen. Damit war dann für mich schnell klar, dass ich meine Tourplanung umstellen muss: Da diese Reise nichts mit Sensationslust und Effekthascherei zu tun haben soll und safety nun mal vorgeht, entschloss ich mich nach kurzer Überlegung zu einer weiträumigen Umfahrung des momentan krisengefährdeten Grenzbereichs zwischen Mazedonien und dem Kosovo. Statt dessen werde ich nun mit Griechenland ein weiteres, ebenfalls zum Balkan zählendes Land besuchen und von Korce in Albanien über Thessaloniki ins bulgarische Sofia reisen. Ein wenig schade finde ich das zwar einerseits schon, andererseits aber bin ich froh, diesen Hinweis auf die aktuellen Entwicklungen vor Ort überhaupt und dann auch noch rechtzeitig für eine Umplanung der Tour erhalten zu haben. Letztendlich ist dann insgesamt also doch eine sehr gute Woche vor dem Reisestart gewesen.

 

 

 

Update 13.05.2015 – Der Start

 

 

 

Endlich geht es los! Natürlich nicht, ohne Stolpersteinchen. Nach nicht einmal 2 km schaffe ich es doch, beim Tanken die Lenkerbefestigung für meine Action-Cams abzubrechen. Nicht, dass diese Befestigung da schon seit Monaten steckt und ich da noch nie gegen gestoßen bin... Also darf ich schnell noch eine kleine Extra-Runde drehen, um mir mal eben noch Ersatz zu beschaffen.

 

 

Auf dem Weg zum Foto-Laden merke ich es schon, irgendwie hakt mal wieder die Bluetooth-Verbindung... Habe ich mich dazu nicht schon mal kritisch geäußert? Nachdem ich zwischenzeitlich ein ganz einfaches Bluetooth-Headset nur als Verbindung zu Navi und Handy genutzt hatte und dabei bewusst auf theoretische Kommunikationsmöglichkeiten mit Mitfahrern verzichtet habe, hatte ich vor der Reise noch einmal tief in die Tasche gegriffen: Nach den alles andere als befriedigenden Tests seinerzeit hatte ich meinen SRC-Kragen gerne an Mandy aus unserem Redaktionsteam weitergegeben, die ihn an ihren C3 Pro Lady nutzt. Wegen der extrem langen Akkulaufzeit des SRC hatte ich mir aber vor Reisebeginn wieder ein solches Exemplar besorgt. Und schon auf den ersten Kilometern beendet es immer dann die Verbindung zum Smartphone, wenn das Navi eine Meldung von sich gibt... Na, da ist wohl am Abend mal wieder ein Reset fällig...

 


 

Ansonsten steht heute eine Anreise-Etappe auf dem Plan. Ziel ist das tschechische Brno, knapp 600 km von Berlin entfernt. Aber zumindest auf dem kleinen Stückchen, auf dem ich das Erzgebirge quere, schiebe ich einige kleine und feine Kurven ein, auch um ein wenig Gefühl für die beladene Fuhre zu bekommen.

 

 

 

 

Denn meine Globescout-Koffer bedeuten eine Premiere für mich: Ich muss nicht unbedingt einen Tankrucksack dabei haben, den ich dann bei jedem Zwischenstopp und jeder Besichtigung mit mir herumschleppen muss, weil ich ihn am Motorrad nicht gut sichern kann. Ich konnte jetzt sogar den kleinen sw-motech Daypack IN den Koffern unterbringen, um ihn auf den Etappen mit mehreren Highlights für den griffbereiten Fotoapparat zu nutzen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass das Moped mit dem vielen Gepäck im Globescout-Koffersystem ziemlich hecklastig ist und ich mehrfach die Federvorspannung des neu hergerichteten Zentralfederbeins erhöhen muss, bis sich ein vernünftiges Fahrgefühl einstellt.

 

             

 

So komme ich dann über Prag nach Brno und lande dort etwas außerhalb des Zentrums in der Pension Derivia: Für nur 20 per Kreditkarte bezahlbare Euro bekomme ich hier ein einfaches aber sehr sauberes Zweibettzimmer mit eigenem Bad incl. Wanne, freiem W-Lan und einem ebenso abgeschlossenen wie überdachten Stellplatz für meine Travel-Q-ueen. Außerdem ist nur 20 Meter entfernt ein Restaurant, in dem ich mir ebenfalls für kleines Geld den Bauch nicht nur mit reichlichen Essensportionen sondern auch mit einem leckeren Pilsener Urquell vollschlagen kann. Wenn es dann morgen zum Frühstück, das auch noch im Preis inbegriffen ist, nur irgendetwas zu essen gibt, ist diese Übernachtungsmöglichkeit schon einen Tipp wert! Morgen soll es dann nach Zagreb weitergehen: Noch einmal knapp 600 km, dieses Mal aber mit weniger Autobahn...

 

Die GPS-Daten zur Etappe gibt es nach einem Klick auf die Landkarte.

 


 

 

 Update 14.05.2014 - Die 5-Länder-Etappe

 

Ich werde vom Geräusch meiner duschenden Zimmernachbarn wach und wundere mich über die hellhörigen Zimmer. Nach gut einer Viertelstunde mehren sich die Zweifel, ob das wirklich die Zimmerduschen sind. Und dann ist es klar: Es regnet in Strömen. Damit hatte ich für den heutigen Tag nicht gerechnet und so ist die aktuelle Wettervorhersage schnell aufgerufen: Entwarnung, es soll gegen 8 Uhr aufhören und sich dann aufklaren. Und genau so ist es dann, als ich kurz vor halb zehn nach einem entspannten Frühstück meine Travel-Q-ueen aus ihrem Unterstand ziehe. Zufrieden, weil sie während des morgendlichen Regens trocken geblieben ist, belade ich sie flugs und starte die zweite Etappe. Auch heute handelt es sich eigentlich um eine weitere Anreise-Etappe, die mich - allerdings mit weniger Autobahn-Kilometern als gestern - nach Zagreb bringen soll.

 

Aufmerksame Leser haben sicherlich schon gemerkt, das ich kurz vor dem Reisestart meine Route noch etwas angepasst habe: Die slowenische Grenzkammstraße möchte ich mir lieber als weiteres Highlight für die letzten Etappen auf dieser Reise aufheben. Und so geht es dann zunächst von Brno aus auf schnellstem Wege südöstlich in Richtung Bratislava. Dazu überquere ich die Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei auf der Autobahn im Nu.

 


 

Von Bratislava aus verläuft die Route weiter in südliche Richtung nach Ungarn, wo sich, in meinen Spiegeln gut zu sehen, ein schwarzer Wolkenberg zusammenbraut und mich weiter antreibt. Ich nehme mir nur wenig Zeit, um die weiträumigen, von bunten Blütentupfern umgebenen Getreidefelder zu bewundern.

 


 

 

Ansonsten, und da geht es mir so wie bei jedem meiner Aufenthalte in Ungarn, gibt es nicht all zu viel zu sehen, irgendwie erreicht mich das Land nicht so richtig und alles plätschert so dahin. Nach einiger Zeit erreiche ich dann die Grenze zu Slowenien, um auf meiner Route einen kleinen Zipfel dieses Landes mitzunehmen.

 


 

Hier fahre ich schnell von der Autobahn, auf die man direkt vom Grenzübergang gelotst wird, wieder ab, denn in Slowenien müssen - anders als in Tschechien und in der Slowakei - auch Motorräder Maut zahlen. Das lohnt sich für die kurze Strecke nicht. Schnell habe ich diesen Landzipfel durchquert und denke, dass dies auch mit dem Grenzübergang von Slowenien nach Kroatien so sein wird: Langsam herangefahren, geschaut, niemanden gesehen. Und gerade als ich zum Durchfahren wieder Gas geben will, werde ich herrisch angeschnauzt: Ob ich denn die 3 Stoppschilder nicht gesehen hätte werde ich von unterschiedlich uniformierten slowenischen Sicherheitskräften gefagt. Ich erwarte nun - quasi zur Strafe - eine intensive Kontrolle, aber nach nur einem flüchtigen Blick in meinen Reisepass darf ich dann doch gleich weiterfahren, nicht ohne mich ausgiebig für meinen Fauxpas entschuldigt zu haben...

 

Damit erreiche ich mein 5. Land an diesem Tag und bin in Kroatien angekommen. Jetzt geht es über Landstraßen in Richtung Zagreb, wo meine nächste Übernachtung geplant ist. Die sich schon in Ungarn hinter mir auftürmende Wolkenwand hat sich zwischenzeitlich seitlich an mir vorbeigeschoben und bildet nun vor mir eine Gewitterfront, auf die ich Kurs nehmen muss: Das ist die beste Zeit, um ein kleines Päuschen einzulegen und gut geschützt ein wenig abzuwarten.

 


 

Nach einer guten halben Stunde hat das Gewitter so viel Vorsprung, dass ich guten Gewissens wieder starten kann und auf den letzten Kilometern immer nur mal die Ränder streife, um dabei nur unbedeutenden Sprühregen abzubekommen. Dafür gibt es aber auch eine weitere gute Fotogelegenheit:

 


 

Die GPS-Daten zur Etappe gibt es nach einem Klick auf die Karte.

 

 

 

 

Update 15.05.2015 – Der Karl-May-Tag

 

 

An diesem Morgen starte ich tatsächlich im Regen, der aber zum Glück nicht lange anhält und mich dann für den Rest des Tages verschonen wird. Über kleine, kurvige Straßen geht es von Zagreb aus südwestlich durch zahlreiche verlassen wirkende Bergdörfer.

 

 

 

 

Als es trocken wird, werden auch die Straßen qualitativ noch besser und ich kann die Fuhre schön durch die kurvenreiche Strecke wedeln. Bei Slunj, etwa 60 km südlich von Karlovac, bekomme ich einen ersten Vorgeschmack auf eines meiner heutigen Highlights: Hier fließen Slunjčica und Korana zusammen und zeigen dabei ein ähnliches Naturphänomen, wie man es von den Plitvicer Seen kennt: Der Höhenunterschied zwischen den beiden Flüssen wird über zahlreiche Kaskaden und Wasserfälle überwunden.

 

 

 

 

 

Nach diesem ersten Eindruck zieht es mich dann in den ältesten Nationalpark Südosteuropas, den Nationalpark Plitvicer Seen. Diese Ansammlung von ober- und unterirdischen Seen war unter anderem der Drehort für mehrere Karl-May-Verfilmungen der 60er Jahre.

 

 

 

 

 

Da ich auf dem Rückweg von dieser Reise hier noch einmal vorbeikommen werde, verkneife ich mir das Schlangestehen am Eingang und gebe mich zunächst mit diesen tollen Eindrücken aus der Entfernung zufrieden. Nach dem Nationalpark Plitvicer Seen wartet nämlich schon das nächste Highlight, das Velebit-Gebirge, auf mich.

 

 

 

 

Auf dem Weg dahin erlebe ich live, in welcher Gegend in den Karl-May-Filmen weitläufige Prairie-Landschaften dargestellt wurden. Große Ebenen verbinden die Bergzüge und erlauben tolle Panorama-Ansichten. Kein Wunder, dass man hier auch gehäuft andere Motorradfahrer sieht.

 

 

 

 

Bevor ich jedoch tiefer in das Velebit-Gebirge tauchen kann, gibt es zunähst einen kleinen Schreckmoment: Im Rückspiegel nehme ich wahr, dass mein Topcase nicht wie gewohnt ruhig an seinem Platz verharrt, sondern ganz leicht, kaum wahrnehmbar hin und her wackelt. Schnell ist die Ursache gefunden: Eine Befestigungsschraube der originalen BMW-Gepäckbrücke hat sich verabschiedet, so dass nun ein wichtiger Verankerungspunkt fehlt.

 

 

 

Und dann ist es so, wie es so oft auf Motorradreisen ist, auch wenn ich mir das Phänomen nur begrenzt erklären kann: Während ich damit beschäftigt bin, die Gepäckbrücke notdürftig mit den mitgenommenen Rokstripes zu fixieren, taucht aus dem Nichts ein perfekt deutsch sprechender Kroate auf, der nach einem kurzen Gespräch zusichert, er würde kurz heim gehen, um ein paar Schrauben zu holen. Nach einer Viertelstunde steht er wieder mit einem Eimer voller Schrauben und sogar etwas Werkzeug vor mir. Wir finden ein passendes Modell, allerdings will die Schraube nicht richtig anziehen. Also kommen die Rokstripes doch zum Einsatz und die soweit wie möglich eingedrehte Schraube wird durch einen Streifen Panzertape daran gehindert, sich wieder zu verabschieden. So geht es zunächst weiter.

 

 

 

Über Svetil Rok nehme ich Kurs auf den Pass über den Mali Alan. Auch an diesem Berg wurden einige Szenen in verschiedenen Karl-May-Filmen gedreht. Außerdem ist dieser Pass dadurch bekannt, dass er zum größten Teil nicht asphaltiert sondern nur geschottert ist. Die hier zu erwartenden Fotoaufnahmen bei der sich gerade durch die Wolken kämpfenden Sonne ziehen mich magisch an. Schnell sind die Action-Cams in verschiedenen Positionen an Maschine und Fahrer angebracht, dann geht es auch schon los. Zunächst nähere ich mich noch auf der Bitumendecke dem Mali Alan, bis dann unvermittelt nach einer Kurve plötzlich die Schotterpassage beginnt und ein Hinweisschild diese Voraussetzungen für die kommenden 18 km voraussagt.

 

Tatsächlich ist die Strecke wesentlich „weicher“ geschottert, als ich es erhofft hatte, so dass ich leider viel zu schnell an meine Grenzen komme: Bestimmt würde meine Travel-Q-ueen mit dieser Situation klar kommen, denn dafür soll sie ja auch gebaut sein. Aber ich berücksichtige auch die eigene fehlende Erfahrung abseits befestigter Straßen und die Tatsachen, dass mein Motorrad voll beladen ist und ich auch allein unterwegs bin: Bevor ich das Risiko eingehe, hier meine eigenen Grenzen zu übertreten, breche ich das Vorhaben lieber ab und suche mir eine andere Route zu meinem Tagesziel in Zadar.

 

 

 

 

 

Und ich werde für diese Entscheidung belohnt: Die D27 führt mich in fast schon atemberaubender Form entlang der Abbruchkante des Velebit-Gebirges mit fantastischen Ausblicken gen Westen: Eigentlich müsste man nach jeder Kurve anhalten und unzählige Fotos machen. Man müsste versuchen, die unbändige Kraft der Natur, mit der sie Landschaften formt, in Bildern festzuhalten. Aber dann würde man kaum vorankommen und das Fahren auf einer solchen Straße macht bekanntlich ebensolchen Spaß.

 

 

 

So komme ich dann nach Zadar und werde schon mehrere Kilometer vorher auf einen auch bei uns in Deutschland sehr bekannten Baumarkt hingewiesen. Als sich dieser dann auch noch als direkt an meiner Route liegend entpuppt, war ein Zwischenstopp kurz vor Erreichen des Tagesziels eine Selbstverständlichkeit: Seit diesem Moment sind die mit ihren Gummizügen zum Fixieren meiner Gepäckbrücke nur bedingt geeigneten Rokstripes erlöst und vier neue Spanngurte übernehmen nun diesen Job. Wenn sich diese Lösung bewährt, spare ich mir den Werkstattbesuch zum Überarbeiten des offensichtlich ausgeleierten Innengewindes der Gepäckbrückenhalterung bis zu meiner Rückkehr auf.

 


 

Jedenfalls genieße ich es an diesem Abend ganz besonders, mir zufällig ein All-inclusive-Hotel ausgesucht zu haben und mich um nichts mehr kümmern zu müssen...

 

Die GPS-Daten zur Etappe gibt es nach einem Klick auf die Karte:

 


 

 

Update 16.05.2015 – Der Wassertag

 

Nach einem umfangreichen Abendessen in meiner All-inclusive-Unterkunft am Vorabend gönne ich mir dann am Morgen ein ebensolches Frühstück. Zugegeben, die Atmosphäre im an eine Kantine erinnernden Speisesaal hat sich noch den alten Ostblock-Charme behalten. Aber was die Auswahl angeht, könnte man sich auch bei einem deutlich höheren Preis als ich zahle nicht beschweren. Hier findet sich für wirklich jeden Geschmack etwas, und das auch in schier unendlicher Fülle.

 

Als ich dann die nächste Etappe starten möchte, komme ich zunächst nicht weit: Schon kurz hinter dem Hotel staut sich der Verkehr, wie sich dann nach dem Vorbeifahren zeigt, mehrere hundert Meter lang. Der Grund ist ein Volkslauf, für den die Polizei einige Straßen in der Stadt vorübergehend gesperrt hat. Ich habe Glück, dass nur noch die letzten Nachzügler und das Samelfahrzeug (unter Läufern gerne Lumpensammler genannt...) an mir vorbeiziehen. Nach wenigen Minuten des Schwitzens unter meiner Kombi geht es dann weiter.

 


 

 

 

 

 

 

Kaum hat der Fahrtwind die Folgen des Wartens beseitigt, gibt es auch schon wieder unerwartete Feuchtigkeit von oben. Der Regen hält über eineinhalb Stunden an und beeinträchtigt die ansonsten gewiss schöne Aussicht auf meiner Strecke entlang der kroatischen Adria-Küste. So bleibt leider lange Zeit alles grau in grau und es braucht etwas Fantasie, sich vorzustellen, wie die in dieseiges Licht gehüllte Umgebung wohl bei Sonnenschein aussehen könnte.

 

 

 

Dann erreiche ich Split und muss mich entscheiden: Folge ich einigen Tipps, die ich bekam, und schiebe eine kleine Stadtbesichtigung dazwischen, oder fahre ich weiter. Der Regen hat immerhin aufgehört und die Sonne versucht sogar ein wenig zwischen den Wolken durchzudringen. Bei der Anfahrt präsentiert sich die Stadt dann mit einem dermaßen abschreckenden Panorama aus Betonklötzen, Plattenbauten und zusammengepferchten 60er- und 70er-Jahre Neubauten, dass meine Entscheidung schneller fällt als gedacht: Da fahre ich doch lieber in der Hoffnung auf nun bessere Aussichten an der Küste weiter.

 

 

 

 

Diese Entscheidung erweist sich dann als goldrichtig, als mich eine Baustelle zum Abweichen von meinem ursprünglichen Kurs zwingt und mein Navi dann bei der Neuberechnung einen leider völlig unnötigen Umweg zusammenstellt. Das merke ich leider auch erst ziemlich spät, schaue mir dafür aber noch ein wenig die wunderschöne Bergwelt der Region südöstlich von Split an. An einer weiteren Baustelle dann darf ich dann – wie zum Hohn wegen des gestrigen Tages – doch noch eine 5 km lange Schotterpiste befahren...

 

 

 

 

Ich sehe zu, schnell wieder an die Küste zu kommen und bekomme noch einmal in voller Intensität präsentiert, welch wunderbare Landschaften die Natur hier geformt hat.

 

 

 

 

Dann ist es endlich soweit, und ich bin wieder auf der wunderschönen Küstenstraße angekommen. Und gerade, als ich so richtig Fahrt aufnehmen möchte, sehe ich in einiger Entfernung vor mir ein gelbes Flugzeug ziemlich tief über die Bäume fliegen, abdrehen und Kurs auf das Meer nehmen. Dort verliert es weiter an Höhe, bis es Kontakt zur Wasseroberfläche hat. Ein Wasserflugzeug, denke ich im ersten Moment, bis mir auffällt, dass es mit dem Rumpf Kontakt zur Wasseroberfläche hat. Als es dann wieder aufsteigt und einen Bogen fliegt, wird es mir klar: Es handelt sich um ein Wasserlösch-Flugzeug im Einsatz.

 

 

 

Wenige Kilometer weiter ist dann die Einsatzstelle keine hundert Meter von der Straße entfernt. Klar, dass ich die Gelegenheit nutze, mich zu den wartenden und entspannt herum sitzenden Feuerwehrleuten und den übrigen Schaulustigen zu gesellen und selbst ein paar wasserreiche Aufnahmen zu machen.

 

 

 

 

 

 

 

Anschließend und damit zum Schluss dieser 400 km langen Tagesetappe wartet dann auf mich der schönste Teil des Tages: Fröhliches Wedeln auf der bestens ausgebauten Küstenstraße, immer mit einem Auge auf die wechselnden Farbenspiele des Meeres gerichtet macht bei ab und an durchschimmernder Abendsonne einfach nur Spaß.

 

 

 

 

Angekommen in Dubrovnik bleibt dann auch noch Zeit für einen kleinen Stadtbummel, bei dem es nicht nur bei einem Glas Wasser bleibt....

 

Die GPS-Daten dieser Tagesetappe sind nach Anklicken der Karte abrufbar.

 

 

 

 

Update 17.05.2015:  Bellevue

 

Bei diesem Tagesthema können Worte eigentlich nur stören. Und deswegen möchte ich heute auch (fast vollständig) darauf verzichten. Mich zieht es von Dubrovnik weiter südlich nach Montenegro, da speziell in die Bucht von Kotor sowie auf die dort abgehende Bergstraße zum Ort Budva. Von dort aus geht es weiter nach Albanien zu meinem nächsten Zwischenstopp in Shkoder. Die Highlights von unterwegs nun hier einfach mal fast ohne weitere Worte in Bildern:

 

Abschied von Dubrovnik

Abschied von Dubrovnik

 

 

 

 

 

 

OK, manchmal stört auch etwas die schöne Aussicht.... Ich hätte es auch lieber weniger diesig gehabt ;-)

 

Die Einfahrt zur Bucht von Kotor

 

Irgendwann lernen die Kapitäne von uns Motorradfahrern, dass es Navis gibt...

 

 

 

Wer erkennt den Fehler?  Genau, die rechte meiner Zusatzscheinwerfer macht schon seit der 2. Etappe den Karl Dall...

 

 

So sehen Carports in Montenegro aus ;-)

 

 

 

 

Die Einfahrt zur Bucht von Kotor aus der anderen Richtung

 

 

War Rapunzel auch schon in Kotor?

 

 

Jetzt sind wir auf der sensationellen Bergstraße von Kotor nach Budva - eine der schönsten in Europa

 

 

 

 

Blick auf die Bucht von Kotor

 

 

 

 

 

 

 

 

Da geht`s gleich lang

 

Da auch...

 

 

in Bjelsi

 

Kurz vor der Grenze zu Albanien noch ein unerwarteter Wegbegleiter, der mein Tempo nicht ganz mitgehen konnte.

Da habe ich mal eben gewartet...

 

Was soll ich viel Worte verlieren: Wer hier noch nicht war, muss hierhin. Nicht quatschen, sondern machen, es lohnt sich!

 

Die GPS-Daten zum Nachfahren gibt es wie immer mit einem Klick auf die Karte.

 


 

 Update 18.05.2015 - der 1000-Kurven-Tag

 

Nach den zahlreichen Fotostopps des gestrigen Tages nehme ich mir für heute vor, unbedingt mehr zu fahren. Zwar fehlen mir dann die visuellen Eindrücke für dieses Update, aber das ist dann eben so. Wer auf die nachfolgende Karte klickt und dann im sich öffnenden Fenster in den Routenverlauf hineinzoomt, bekommt ein Gefühl dafür, was ich mir für diesen Tag vorgenommen habe.

 


 

Zunächst gibt es aber noch etwas zu Albanien insgesamt zu sagen: Stärker als in den zuletzt von mir bereisten Ländern nehme ich hier die Unterschiede zwischen arm und reich wahr. Sieht man auf den Straßen doch erstaunlich viele hochpreisige Premium-Autos, die nicht selten gerade von jungen Fahrern bewegt werden, findet man insbesondere an den Stadträndern auch viele Menschen, die in einfachsten Verhältnissen leben. Mein Hotel in Shkoder ist dabei ein besonderes Beispiel: An einer stark frequentierten Einfallstraße gelegen und zusätzlich mit einer Tankstelle kombiniert wird das ebenfalls dazugehörige, seitlich neben dem Hotel befindliche Gartenlokal mit Kinderspielplatz gut besucht. Schaue ich dagegen von Balkon meines Zimmers auf die hinter dem Hotel liegende Fläche, erwartet mich dieser Anblick.

 


 

Nun aber zurück zum Routenverlauf:  In der Nähe von Shkoder passiere ich noch mehrere Polizeikontrollen, allerdings ohne selbst anhalten zu müssen. Anschließend geht es dann hinein in die Bergwelt der albanischen Alpen. Dieses im Grenzgebiet zwischen Montenegro, dem Kosovo und Albanien verlaufende Gebirge weist in seiner Abgeschiedenheit und Ruhe für mich gewisse Parallelen zum Transfagarasan-Gebirge in Rumänien auf. Ähnlich schroff wirkend, insbesondere aber vergleichbar wenig frequentiert präsentiert sich diese Region. Die Travel-Q-ueen schraubt sich Kurve um Kurve tiefer in diese Welt hinein und ich kann mich kaum satt sehen.

 


 

 

Dann kommt der Abzweig zur SH30, eine enge Spitzkehre. Von nun an ändert sich einiges: Schwer beladene LKWs kommen mir schon bei der Einfahrt langsam im Schritttempo fahrend entgegen. Und ich erkenne auch schnell, woran das liegt: Das bislang so bestens präparierte Teerband nimmt auf dieser Straße lediglich die Funktion war, über kurze Abstände die aufgebrochenen Abschnitte der Piste, die Schlaglochsammlungen und mit losem Schotter versehenen Stücke miteinander zu verbinden. In unregelmäßigen Abständen wechselt der Belag, so dass man besser gut konzentriert unterwegs ist.

 


 

 

Das zieht sich so eine ganze Weile dahin, bis ich einen kurzen autobahnähnlichen Streckenabschnitt auf der E851 erreiche. Danach geht es wieder über kleine gewundene Straßen weiter in Richtung Tirana. Und als ich schon glaubte, das Schwierigste sei geschafft, werde ich gleich zweimal eines Besseren belehrt: Noch vor Tirana wird die SH39 zur Herausforderung: Ausgewaschene, kalksandige und von schweren LKW im Kriechtempo in beiden Richtungen befahrene Verbindungen, die die Bezeichnung "Straße" kaum rechtfertigen, machen das Vorankommen zur Arbeit. Was bin ich froh, im Gegensatz zu früheren Jahren nicht mehr mit dem schweren Reisedampfer unterwegs zu sein, sondern jetzt schon einfach mal 60 kg beim Fahrzeuggewicht einzusparen. Das gerade überarbeitete Wilbers-Federbein muss harte Arbeit leisten und auch die von mir völlig begeistert gefahrenen TKC 70 von Continental können zeigen, dass sie ihrer Bestimmung (60 % für Straßeneinsatz, 40% offroad) entsprechend bestens funktionieren.

 


 

Die zweite Überraschng dann in Tirana: Nein, nicht der zahlreiche Verkehr macht mir zu schaffen, das kenne ich aus Berlin zur Genüge. Aber ich lerne schnell, dass man als Motorradfahrer einen gebührenden Abstand zu seinen Vorderleuten einhält. Ansonsten wird man von den plötzlich vor einem der aus dem Nichts auftauchenden Gullideckeln, die auch gerne mal 5 bis 10 cm hochstehen, überrascht. Aber es ist auch für Ausgleich gesorgt: An vielen Stellen wurde im Gegenzug auf den Gullideckel gleich ganz verzichtet und man blickt plötzlich in einen metertiefen Abgrund, in den man lieber nicht mit dem Vorderrad gelangen möchte...

 


 

Aber dann bin ich mitten im Zentrum angekommen und finde Zeit für einen kleinen Stadtbummel.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Update 19.05.2015 - Die Um-Entscheidung

 

Schon auf der Fahrt von Shkoder nach Tirana hatte ich in den abgeschiedenen Albanischen Alpen ausreichend Zeit zum Nachdenken. Die weiteren Reiseabschnitte im Anschluss an meinen Albanien-Aufenthalt hatte ich wegen der kürzlichen Unruhen in Mazedonien bereits umstellen müssen. Wie aber war denn nun die aktuelle Lage? Mangels ausreichend stabilem W-Lan in den letzten Tagen hatte ich mich noch nicht auf den neuesten Stand bringen können, und dies galt es nun nachzuholen. Besonders beeindruckt mich dabei neben anderen ein Beitrag, der kurz zuvor auf N24 erschienen ist. Hier ist aus meiner Sicht gut nachvollziehbar die Komplexität der Situation und die damit einhergehende Unsicherheit herausgearbeitet worden.

 

Mir stellt sich jetzt nicht die Frage, ob ich meine Reise wie geplant sicher weiterführen könnte, da habe ich bei der von mir geplanten Route über Griechenland nicht wirklich Sorge. Aber ich wünsche mir ja auch immer, mit meinen Artikeln ein wenig die Reiselust anzusprechen und den einen oder die andere dazu zu bewegen, die Schönheiten der jeweiligen Regionen selbst entdecken zu wollen. Und dann geht es um die Frage, ob das momentan der richtige Zeitpunkt ist. Würde ich mich selbst jetzt aktuell daheim sitzend ernsthaft mit einer Reise in die süd-östliche Balkan-Region befassen wollen? Eher nicht, ich würde zunächst lieber abwarten und mir die weitere Entwicklung anschauen. Dementsprechend habe ich mich jetzt auch entschieden, die Regionen, bei denen eine Beteiligung an einer dohenden Weiterentwicklung der Situation in und rund um Mazedonien nicht ausgeschlossen ist, aktuell nicht zu bereisen. Das heißt, dass Griechenland, die Grenzregion Bulgariens sowie Serbien von mir entgegen der ursprünglichen Überlegungen nun ausgelassen werden. Statt dessen wende ich mich von Tirana aus nun wieder nördlich und nehme direkt Kurs auf Montenegro, wo es mir im bisherigen Verlauf der Reise bekanntlich schon besonders gut gefallen hat.

 


 

 

Hier lockt nämlich ein weiteres, bedeutendes Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man in der Region ist: Ich steuere den Tara-Canyon an, der nicht nur der tiefste und längste Canyon Europas ist. Vielmehr zählt er insgesamt auch zu den größten Schluchten der Welt. Aber es geht nicht nur um Größe, sondern auch um die wunderbaren Aus- und Anblicke, die man im Straßenverlauf erhält. Direkt am Ufer der Tara verläuft die Straße und fesselt einen praktisch an jeder Biegung mit neuen, wundervollen Ausblicken.

 


 

 

 

 

 

 

 

Ich folge diesem Canyon in seinem weiteren Verlauf nach Bosnien-Herzegowina und werde so nach Sarajewo geführt, meinem nächsten Zwischenstopp. Leider muss ich diesen Teil der Tagesetappe in strömendem Regen und bei einem heftigen Gewitter zurücklegen.

 


 

Die GPS-Daten zur Etappe sind wieder per Klick auf die Karte einsehbar.

 


 

 Update 20.05.2015 - von Pyramiden, Wasserfällen und einer Talfahrt

 

Zunächst hat das gestrige Gewitter, das mich bis zu meiner Ankunft in Sarajewo begleitete und auch menen Stadtspaziergag gehörig ins Wasser fallen ließ, noch eine weitere Konsequenz: Ich bin meinem Bannerpartner Uwe Gerlach von UG-Racingparts außerordentlich dankbar. Warum?

 


 

Ich hatte kurz vor Beginn meiner Reise Uwe in seinem neuen Geschäft in Berlin besucht. Als wir bei dieser Gelegenheit ins Plauschen kamen, empfahl mir Uwe ein Paar Leder-Sommerhandschuhe: Das Modell Monster des tschechischen Herstellers 4SR sei geradezu perfekt für warme und heiße Tage, mit samtweichem Leder ausgestattet und - und das war für mich fast das entscheidende Argument - würde trotz fehlenden Innenfutters nicht färben. Ich möchte dem in Anschluss an meinen Reisebericht noch folgenden Testbericht nicht vorgreifen und daher nur eines zu diesem Handschuh sagen, der am heutigen Tag meine bisherigen aber seit gestern ziemlich durchnässten Begleiter ablöst: Ich habe neue Lieblings-Handschuhe für die warmen und sonnigen Tage...

 


 

Und so nehme ich nordwestlichen Kurs auf die berühmten bosnischen Pyramiden: Etwas südlich des Stadtrands von Visoko und damit etwa 20 km von Sarajewo entfernt befindet sich der Berg Visočica, der auch Brdo Grad (Hügelstadt) genannt wird. Aus mehreren Perspektiven kann man den Eindruck gewinnen, dass dieser knapp 800 Meter hohe Berg die symmetrische Form einer Pyramide hat.

 


 

Seit etwa 2006 hält sich daher auch eine Hypothese, dass es sich dabei tatsächlich um ein von Menschenhand geschaffenes und mittlerweile bewaldetes Bauwerk handele. Allerdings werden derartige Thesen von renommierten Wissenschaftlern überwiegend nicht geteilt.

 

 

 

 

Von hier aus geht es weiter in nordwestlicher Richtung durch die wellige Landschaft, wo in der Stadt Jajce und ihrem Umfeld gleich mehrere Sehenswürdigkeiten auf eine Besichtigung warten:

 


 

Zum einen fließt die Plive über einen gut 20 Meter hohen Wasserfall in die Schlucht des Vrbas.

 


 

 

Dies lässt sich auch alles vom nahegelegenen Burgberg mit der Festung aus dem 14. Jahrhundert beobachten.

 


 

 Mein nächstes Ziel sind die nahegelegenen Pliva-Seen.

 


 

Dazu nutze ich nicht die von vielen Touristen genutzte Hauptstraße, sondern schlängele mich oberhalb des Flüßchens Pliva an den Felswänden entlang und erhasche immer wieder einmal eine schöne Aussicht.

 


 

 

Die terrassenförmig angelegten Seen bestehen aus einigen romantisch bewachsenen, still ruhenden Flächen, die immer wieder durch kleine Wasserfälle und Kaskaden unterbrochen werden.

 


 

Anschließend suche ich wieder die Schlucht, die der Vrbas in das Dinarische Gebirge geschliffen hat und die mich meinem nächsten Tagesziel Banja Luka näherbringen soll. Nach einem kleinen Abstecher, bei dem ich den Anweisungen meines Navis Folge leiste, besinne ich mich wieder auf meinen Orientierungssinn und finde tatsächlich meinem Bauchgefühl entsprechend diese weniger bekannte aber nicht minder beeindruckende und fesselnde Straßenführung.

 


 

 

 

 

Ständig halte ich am Straßenrand an und werfe Blicke auf dieses wunderschöne Naturschauspiel bis mir an der vielleicht markantesten Stelle fast der Atem stehen bleibt.

 


 

Nachdem ich diesen Ausblick lange genossen und in mich aufgesogen habe, geht es über eine spannende kleine Holzbrücke quer durch das Tal, um anschließend die letzten Kilometer bis zum Tagesziel in Banja Luka zurückzulegen.

 

 

 

 

 Die GPS-Daten der Tagesetappe sind nach einem Klick auf die folgende Karte abrufbar.

 


 

Update 21.05.2015 - außer Regen nichts gewesen...fast nichts ...

 

Meine folgende Tagesetappe von Banja Luka in das norditalienische Trieste sollte eigentlich nichts anderes als eine Transfer-Etappe sein. Da war es dann im Hinblick auf eventuelle Fotoaktivitäten nicht so dramatisch, dass der Dauerregen sich diesen Tag ausgesucht hatte, um - von wenigen Ausnahmen abgesehen - mein nahezu ständiger Begleiter zu sein...

 


 

Aber irgendwann im Nirgendwo, als eigentlich nur eine übervolle Blase einen kurzen Zwischenstopp einforderte, gibt es dann doch noch einen kleinen Aufreger: Der Spritzschutz meines Hinterrades will den Heimweg noch nicht antreten und versucht, sich heimlich still und leise davonzuschleichen.

 

 

 

Eine Befestigungsschraube ist abgerissen, eine weitere verloren und die letzte verbliebene schon so losegeschüttelt, dass ich sie problemlos auch ohne Werkzeug entfernen kann. Daraufhin tritt der Spritzschutz gut verschnürt den Rest der Reise auf dem Soziussitz an und gelangt so nach Trieste.

 

Die GPS-Daten sind nach einem Klick auf die Karte abrufbar.

 


 

 

 Update 22.05.2015 - Last not least die slowenische Grenzkammstraße

 

Am Morgen dieser Etappe weiß ich noch nicht, welch Wetterglück ich habe: Mit dem Befahren eines Teils der slowenischen Grenzkammstraße möchte ich meine Reise über die Balkan-Habinsel abschließen. Und auf den ersten Kilometern spielt das Wetter bei diesem Vorhaben ebensogut mit wie die genau zum richtigen Zeitpunkt auftauchende Tanstelle, bevor es auf die einsame und verlassene Straßenführung an der slowenisch-italienischen Grenze geht.

 


 

Dann biege ich ab und erfreue mich auf der weitgehend asphaltierten Straße an einem schier ungestörten Erlebnis.

 


 

 

Aber natürlich gibt es auch einige Abschnitte, auf denen die Strecke lediglich geschottert ist. Hier bin ich besonders froh, dass sich das Wetter noch hält und trocken bleibt.

 


 

Als es anschließend immer tiefer in die Alpen hineingeht erwischt mich dann der Dauerregen und will mich auch nicht mehr aus seinen Fängen lassen. Irgendwann entscheide ich mich dann dagegen, mich bei Nässe und Windböen über die gewundenen Passstraßen zu quälen. Ich wechsele auf die Autobahn, nicht ohne bei sinkenden Temperaturen noch eben eine weitere Jacke unterzuziehen, und lege den Rest dieser letzten Balkan-Etappe per Autobahn bis nach Deutschland zurück.

 

Die GPS-Daten dieser Etappe öffnen sich nach einem Klick auf die Karte.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




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