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19.11.2010: Unterwegs im Département Le Gard in Südfrankreich

Nahezu jeder hoffnungsvolle Blick aus dem Fenster wird momentan enttäuscht: es ist die nasskalte Jahreszeit angebrochen, in der viele Motorradfreunde Ihre Maschinen bereits winterfest verstaut haben und von den verbliebenen Fahrern ohne Saisonkennzeichen auch nur wenige eine Ausfahrt wagen. Das ist aber gleichzeitig die beste Zeit, sich zurückzulehnen und die schönen Erlebnisse der vergangenen Saison Revue passieren zu lassen.

Noch ganz frisch sind bei mir die Eindrücke von meiner Tour im Oktober 2010 durch das Département Le Gard, die leider viel zu schnell von einer Motorrad- zu einer Zugreise mutierte. Aber der Reihe nach:

In einem Gespräch mit Jochen Ehlers vom Off-Road-Spezialisten www.endurofuntours.com im September wurde ganz kurzfristig eine Idee geboren: Jochen wollte mich gerne von der Schönheit der Landschaft im Département Le Gard und den dortigen Möglichkeiten, als Motorradfahrer auf schönen Touren unterwegs zu sein, überzeugen. Anfängliche Bedenken meinerseits, dass unter Berücksichtigung meiner nur begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit die An- und Rückreise von und nach Berlin zu aufwändig seien, waren schnell vom Tisch:

Die DBAutoZug fährt regelmäßig zwischen Berlin oder Hildesheim und Avignon oder Narbonne und ermöglicht somit ein stressfreies Erreichen der Zielregion. Und tatsächlich bekam ich noch trotz der kurzen Zeitspanne zwischen unserer Idee und dem Reisestart für mein Motorrad einen guten Stellplatz und für mich eine bequeme Schlafmöglichkeit während der sprit- und kraftsparenden Anreise über Nacht.

Und so ging es dann Mitte Oktober frohen Mutes los, allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Die französischen Eisenbahner streikten wegen der geplanten Heraufsetzung des Rentenalters, so dass mich der bequeme Autoreisezug nur bis nach Lörrach an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz transportierte. Von hier aus ging es dann ab kurz nach 6 Uhr morgens auf die etwa 600 km lange Etappe für die Anreise zu meinem Zielort Bernas bei Montclus im Département Le Gard.

Ohne Zwischenfälle aber auch ohne wirkliche Highlights ging die sich über die Landstraße hinziehende Strecke dann vorbei an Basel und dem Genfer See in Richtung Frankreich. Ser zeitraubenden Anfahrt weiß ich das grundsätzliche Angebot der dbAutozug noch mehr zu schätzen und kann jedem nur zu dieser Form der Anreise raten: In der Zielregion werden genügend schönere und interessantere Fahrstrecken auf den Tourenfreund warten, für die es sich lohnt, ausgeruht zu sein.

Erst auf den letzten etwa 30 km vor Erreichen meines Tagesziel wurden Landschaft und Streckenführung interessanter und dank einer wunderschönen Färbung des Himmels in der Abendsonne insgesamt sehr stimmungsvoll. Über plötzlich und wie aus dem Nichts auftauchenden sehr kurvigen Strecken, die mich auf die kommenden Tagen vorbereiteten, erreichte ich nach einer etwa 13-stündigen Fahrt mein Ziel, das Paradies.

Eigentlich und im wirklichen Leben nennt es sich zwar Hôtel La Magnanerie de Bernas, aber so wesentlich anders kann es im Paradies von Motorradreisende nicht aussehen:

Von außen ein wunderschönes, altes Gebäude, das in seiner Geschichte schon viel erlebt hat, von innen ein auf den neuesten Stand gebrachtes aber sehr geschmackvolles Interieur mit antikem Mobiliar aufweist und meinem Motorrad den vielleicht edelsten geschützten Stellplatz bot, den dieses je gesehen hat. Eric, Le Patron des Hauses, ist gebürtiger Belgier, spricht ein fantastisches Deutsch und braucht seinen motorradfahrenden Gästen deren Wünsche gar nicht erst von den Lippen abzulesen, da er sie selbst als motorradbegeisterer Anhänger bereits kennt.

Bei einem sehr leckeren 4-Gänge-Menue hatten wir in unserer kleinen Reisegruppe von sechs Personen an diesem Abend auch Gelegenheit, uns im Vorfeld der kommenden Tage über die Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten und Spezialitäten im Département Le Gard zu informieren: Lysianne Boissy d`Anglas vom örtlichen Tourismusverband Comite Départemental du tourisme (CDT) informierte uns ebenso kompetent wie auch unterhaltsam über das, was uns in den kommenden Tagen erwarten würde, und stand mit Rat und Tat für jede aufgeworfene Frage zur Verfügung.

Anschließend erwartete mich erst ein Abschied von diesem langen Tag sowie nach einer erholsamen Nacht die Begrüßung durch den neuen Tag in Form einer fantastischen Aussicht aus meinem Zimmer:

Nach einem stärkenden Frühstück ging es dann auf unsere erste gemeinsame Etappe: Durch die hügelige Landschaft ging es kurvenreich zu unserem ersten Zwischenziel, dem Chateau de Portes:

Im Mittelalter zur Überwachung der Passstraße als Handelsweg zur Camargue genutzt, weist dieses außergewöhnliche Bauwerk Stilelemente aus drei verschiedenen Jahrhunderten auf. Wegen seiner Bauform – man sieht es gerade vorn auf dem Bild ganz gut - wird es auch das Schiff der Cevennen genannt.

Weiter ging es auf verschlungenen Straßen, die zwar nicht besonders breit, dafür aber sehr gut ausgebaut waren. Besonders auffällig ist dabei, das einem kaum andere Verkehrsteilnehmer begegnen, man also sehr entspannt unterwegs ist.

Unser nächster Stopp erfolgte bei einem echten Highlight für Rennsportfans: Wir besuchten den PôlE MÉCANIQUE ALÉS CÉVENNES. Mit mehreren Asphalt und Erdstrecken ist dieser Ring für alle Freunde des Motosports ein El Dorado. Straßenrennen und -trainings finden hier ebenso statt wie es Möglichkeiten zum Enduro- oder Trialfahren gibt. Erstaunlich für deutsche Verhältnisse ist, dass diese Strecke vor wenigen Jahren allein mit Steuermitteln der Gemeinde aufgebaut wurde: Etwa 15 Mio Euro wurden so investiert, um einen auch touristischen Anziehungspunkt zu erschaffen.

Heute kann dieser Kurs tageweise oder auch für das ganze Wochenende für einen durchaus überschaubaren Betrag auch von Privatpersonen gemietet werden: Aus Deutschland machen zunehmend verschiedene Motorradclubs davon Gebrauch, die sich die entstehenden Kosten unter ihren Mitgliedern aufteilen und so eine Möglichkeit schaffen, für die sich insbesondere unter Preis-Leistungs-Gesichtspunkten so schnell keine Alternative finden lässt. Anfragen zum Rennkurs beantwortet endurofuntours.com gerne; hier sind auch konkrete Buchungen der Rennstrecke möglich.

Nach einer ausführlichen Einführung durch den Chef der privaten Betreibergesellschaft warteten auf dieser Rennstrecke zwei weitere Highlights auf uns: Zuerst durften auch wir einige Runden selbst mit unseren Maschinen drehen. Meiner mittlerweile 17 Jahren alten BMW K 1100 LT habe ich das lieber nicht zugemutet. Aber Philippe aus Marseille, der früher selbst in Frankreich Motorradrennen gefahren ist, hat seine 600er Kawasaki zusammen mit den anderen begeisterten Tourteilnehmern ganz ordentlich über den Asphalt gejagt, während ich versucht habe, sie mit meiner Kamera einzufangen.

Anschließend zeigten uns die Profis, wie so etwas richtig funktioniert, allerdings auch mit anderem Material:

Im Anschluss daran wurden wir mit einem äußerst abwechslungsreichen und leckeren Mittagsbuffet vom örtlichen Tourismusverband überrascht. Magali Bonnet vom Office de tourisme du Gard Alès en Cévennes ermöglichte uns zur Krönung des Ganzen auch noch, dass wir das leckere Essen aus dem Kontrollturm des PÔLE MÉCANIQUE ALÉS CÉVENNES mit freiem Blick auf die Rennstrecke zu uns nehmen durften. Bei gleichzeitig laufendem Trainingsbetrieb der Profis war die entsprechende Geräuschkulisse sehr beeindruckend: Deutlich waren aus den vorbei rasenden Boliden der sonore Sound der 2-Zylinder-Motoren von KTM und Ducati herauszuhören, während alle anderen 4-Zylinder mit einem hellen Singen vorbei rauschten.

Nach diesem Highlight voller Action wurde es deutlich ruhiger, als wir ebenfalls in Alès ein ehemaliges Ausbildungsbergwerk besichtigten und uns mit den früheren Umständen des Bergbaus in den Cevennen vertraut machten.

Es war schon erstaunlich, mit welch vielfältigen Facetten der örtlichen Begebenheiten uns unser Tourguide Jochen bekannt machte: Hier zahlte es sich definitiv aus, dass er sich in dieser Region auskennt als wäre er hier zuhause. Und das macht bei den persönlichen Kontakten nicht halt, die er hier pflegt und die ihm und der von ihm geführten Gruppe Motorradfahrer so manche Tür öffnen und Einblicke ermöglichen, welche man ansonsten eher nicht bekommen kann.

Für den Rest des Tages standen dann aber wieder die Dinge an, auf die wir uns vielleicht am meisten freuten: Kurven, Kurven, Kurven. In der Region rund um Alès kann man stunden-, ja tagelang kurvenreich unterwegs sein, mal durch ein wahres Blätterdach der angrenzenden Bäume hindurch, mal mit einer fantastischen Weitsicht über die bewaldeten Hügel.

Gerade das Fahren in einer gemischten Gruppe funktioniert hier bestens: Bernd aus Frankfurt, der mit einer Kawasaki VN 900 dabei war, hatte natürlich bei den zahlreichen engen Kurven und Kehren seine liebe Mühe, den Anschluss zu halten, wenn Jochen mit seiner Sozia Birgit mit seiner Kawasaki Versys, Erwin aus Augsburg mit seiner BMW R 1150 GS oder Philippe aus Marseille mit der 600er Kawasaki vorneweg brausten. Aber da es oftmals kilometerlang ohne Abzweigung und Kreuzung nur vorwärts ging, konnten wir alle wunderbar nach unserem jeweiligen Tempo fahren. Und wenn dann viele Kilometer später mal eine Kreuzung auftauchte, dann wartete man halt den Moment, bis die Gruppe wieder vollzählig war. Spaß und Freude hatte damit jeder von uns!

Wir waren dann bis zum Abend unterwegs und kamen dann rechtzeitig zum wiederum wunderbaren Mehr-Gänge-Menue in unserer nächsten Unterkunft, dem Hôtel Restaurant LES BRUYERES in Vallerauge (http://www.logis-de-france-gard.com/en/logis/35-les_bruyaeres.htm)an. Auch hier sind wir bestens untergekommen und verpflegt worden.

Das Département Le Gard ist für einige Spezialitäten bekannt: Zum einen ist dazu der in dieser Region angebaute Wein zu nennen, den wir in flüssiger Form sehr gerne abends zu unserem guten Essen genossen haben.

Zum anderen sind aber neben den Geflügel- und Kaninchengerichten vor allem die Maronen (Esskastanien) sowie die süßen Zwiebeln zu nennen, die nur hier als weiße Zwiebeln angebaut werden und somit DIE typische Spezialität des Département Le Gard darstellen.

Am nächsten Morgen stand somit zunächst ein Marktbesuch auf dem Plan, bei dem wir gerne typisch französische Momente einfangen wollten.

Leider nahm mein Aufenthalt im Département Le Grand im Anschluss an diesen Marktbesuch ein jähes Ende: Mein ansonsten so zuverlässiges Motorrad ließ mich im Stich und wollte trotz gemeinsamer Überlegungen und Anstrengungen aller Gruppenmitglieder partout nicht mehr anspringen. Solch ein Malheur an einem Samstag Mittag fernab einer Motorrad-Werkstatt bedeutet dann nur noch eins:

Binnen kürzester Zeit hat mir der ADAC dank Plus-Mitgliedschaft einen Zwischentransport meines defekten Motorrads in eine abgeschlossene Autowerkstatt zur Zwischenlagerung vor der Fahrzeugrückholung nach Berlin sowie für mich ein 1.-Klasse-Ticket für den Folgetag von Montpellier am Mittelmeer über Paris und Köln nach Berlin organisiert und die Kostenübernahme für die notwendigen Taxi- und Übernachtungskosten ausgesprochen. Somit war ich leider schon viel zu früh wieder daheim.

Was habe ich noch verpasst?

Neben weiteren, sehr gemütlichen Unterkünften mit der Möglichkeit, sehr leckere Speisen und Getränkezu genießen, sind mir einige Sehenswürdigkeiten versagt geblieben:

Eine Wolkendurchfahrt hoch auf den Mont Aigoual, den mit knapp 1600 m höchsten Berg der Cevennen im Département Le Gard bei frostigen Temperaturen fehlt mir zum Beispiel noch.

Außerdem habe ich leider den Cirque de Navacelle, einen riesigen Trichter, der durch das Flüsschen Vis entstanden ist und einzigartiger Ort sein soll, noch nicht gesehen.

Tja, und auch für eine Weinprobe bei Rija von der Domaine La Réméjeanne Cadignac hat es leider ebenfalls nicht mehr gereicht.

Viele weitere Highlights werden mir außerdem noch fehlen. Und somit steht auch fest, dass ich zurückkommen werde!

Das kann ich auch nur jedem Leser dieses Reiseberichtes sehr empfehlen. Aus diesem Grund gibt es auch eine besondere Idee für alle Interessierten unter http://www.Motorrad-Tourer.com/specials.

Weiterführende Informationen:

http://www.Motorrad-Tourer.com – Das Internetportal für reisefreudige Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen

http://www.endurofuntours.com Reiseveranstalter

http://www.tourismegard.com Tourismusverband Département Le Gard

http://www.tourisme-ceze-ardeche.com Toursimusverband

http://www.dbautozug.de Autoreisezug der Deutschen Bahn

http://www.magnanerie-de-bernas.com Hôtel La Magnanerie, Bernas/Montclus

http://www.logis-de-france-gard.com/en/logis/35-les_bruyaeres.htm

Hôtel Les Bruyaeres, Vallerauge

http://www.chateau-portes.org Château de Portes

http://www.pole-mecanique.com PÔLE MÉCANIQUE ALÉS CÉVENNES

http://www.remejeanne.com Domaine La Réméjeanne Cadignac

 

Literaturvorschläge:


Motorrad-Tourer.com
Fred-D. Zagrodnik
Schreberstr. 16
D - 14167 Berlin
+49 - (0)177 - 326 02 77

 




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