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Frau auf zwei Rädern

Dreck, Rost und Strom

„Meine steht noch im Keller“, sagte mir ein Bekannter neulich, als er mich mit Helm und Klamotte den Raum betreten sah. So etwas wundert mich ja immer wieder. Aber in diesem Jahr, bei diesem Wetter? Da doch ganz besonders. Natürlich ist der Kollege ein Spazierfahrer mit Saisonkennzeichen, aber egal. Das ist ja nun kein Grund, im wunderschönsten Frühling die Maschine im Keller stehen zu lassen. Überhaupt im Keller? Das klingt ja wie sicher und warm eingemottet. Ich muss wohl ziemlich ratlos geguckt haben. Jedenfalls bemühte sich der Bekannte schließlich etwas hilflos, sich irgendwie herauszureden: „Die muss erst noch zum TÜV.“

Meine auch, das kann doch nicht der Grund sein. Nächsten Monat muss ich sie vorführen. Das heißt, das lasse ich besser meinen Stammschrauber machen, der das eine oder andere Manko womöglich etwas besser zu kaschieren weiß als ich. Die Kiste ist nämlich alt, Baujahr '86, und sie stand in meiner Obhut, also in den letzten zehn Jahren, immer draußen. Das hinterlässt Spuren, Dreck und Rost vor allem. Ich habe schon Teile verloren, weil irgendwo eine Schraube durchgerostet war. Eine hintere Fußraste zum Beispiel, von der kleinen Yamaha, die ich früher gefahren habe. Auch die Spiegel sind meistens in ihrer Position festgerostet. Das ist aber alles halb so schlimm, die wirklich wichtigen Teile rosten nicht so schnell und schon gar nicht durch. Und Dreck und Rost sind in einem gewissen Rahmen durchaus auch hilfreich. Geklaut wird meine olle Rostlaube so schnell ganz sicher nicht.

Wirklich schwierig ist allerdings das mit der Elektrik. Das filigrane Nervengestrüpp mag weder Dreck, noch Regen und Eiseskälte schon gar nicht. An Elektrik bastle ich dementsprechend jetzt schon wieder seit ein paar Tagen herum. Das Rücklicht fällt immer wieder aus. Das Rücklicht in Kombination mit der Kennzeichenbeleuchtung, das Glühlämpchen kann also nicht die Ursache sein. Das wäre auch zu schön gewesen, das hätte ich ja mit Links gelöst. Aber nein, so einfach ist es nicht. Außerdem hatte ich genau das Problem schon einmal, vor drei Jahren, und habe es damals nicht allein hingekriegt. Mit Kabeln und Strömen hab ich's nicht so, allerhöchstens Steckkontakte und Sicherungen kann ich grob überprüfen. Diesmal scheine ich aber Glück zu haben, nach einer gründlichen Säuberung des Sicherungskastens ist jetzt wohl alles okay. Bis auf weiteres.

Schwein gehabt! Ohne Rücklicht zu fahren ist nicht besonders angenehm, wenn nicht im Grunde unmöglich. Zumindest im Dunkeln. Es gibt nur die Möglichkeit, ersatzweise das Bremslicht zu benutzen. Also ständig auf der Fußbremse zu stehen oder aber den Bremslichtschalter so einzustellen, dass es eben immer leuchtet. Beides ist nicht sehr nett gegenüber nachfolgenden Verkehrsteilnehmern. Und an die will ja auch gedacht werden, steht so in der StVO.

Mit der Yamaha damals, kurz bevor ich sie dann endgültig aufgeben musste, hatte ich ein noch blöderes Problem. Der Sicherungskasten war längst abgeschafft, weil auseinandergefallen. Stattdessen existierten da nur noch ein paar fliegende Sicherungen, aber die hielten, besser als die blöden Glasröhrchen. Dann fielen aufgrund einer unplanmäßigen Erdung irgendwo im Rahmen Bremslicht und Blinker gleichzeitig aus. So zu fahren ist eine Katastrophe. Das Winken mit den Händen, wohl wissend, dass kein Nachfolgender mitkriegt, dass man außer dem blöden Gehampel gerade auch noch bremst. Wenn man mich deshalb angehalten hätte, damals, dann hätte es schnell ein hübsches Gelächter gegeben. Die Kiste hatte zum Schluss nämlich nicht einmal mehr eine funktionierende Zündung. Statt eines Zündschlosses gab es einen Ein-Aus-Schalter unter der Sitzbank, den Zündschlüssel habe ich nur noch so pro forma in das marode Schloss gesteckt.

Zum Glück bin ich nicht angehalten worden. Es wurde ein letztes Mal ein Extrakabel lose um den Gepäckträger gewickelt und zum Blinker geführt. Dann habe ich die Yamaha für 20 Mark verschenkt. Heute steht sie als Ersatzteillage in einem Schuppen in Unna und hat es wohl endlich einmal trocken und warm.

Soviel zum Thema: Schön sauber bleiben und Motorräder im Keller aufbewahren.

 

 

Guten Morgen, Frühling!

Der Winter ist vorbei, eindeutig. Gestern habe ich die Maschine zum Leben erweckt, was sich in diesem Jahr als überaus einfach erwiesen hat. Noch nicht einmal die Batterie musste ich umständlich ausbauen und laden. Das habe ich einfach mit einer kleinen Rundtour durch Berlin erledigt, der Ladestand sollte damit stabil sein. Licht, Blinker und alles weitere Wichtige funktioniert auch. Was nicht unbedingt selbstverständlich ist, wenn die Kiste draußen überwintert. Aber es war ja gar nicht so richtig Winter in Berlin in diesem Jahr. Gerade einmal vier oder vielleicht sechs Wochen musste ich mit Bussen und Bahnen fahren. Und jetzt bin ich beglückt.

Der Winter war mild, deshalb ist das Bild natürlich nicht aus diesem Jahr. Es ist noch nicht einmal in Berlin aufgenommen, ehrlich gesagt. Aber das ist meine, mein Schneemobil, sozusagen.

Ach so, ich bin Susanne, ich bin neu hier. Ich bin keine Hobbyfahrerin, ich habe noch nie ein Auto besessen. Ich erledige auch meinen Alltag weitgehend mit dem Bike. Früher bin ich damit zur Arbeit gefahren, heute fahre ich damit auch zu Kunden, wenn es nur irgendwie geht. Das Motorrad ist mein einziges Fahrzeug, wenn man mal vom Fahrrad absieht, das ich durchaus auch nicht verachte. Fahrräder und Motorräder sind ja quasi verwandt.

Übrigens dürfte ich in diesem Jahr, wenn ich unbedingt wollte, mein 30jähriges Motorradjubiläum feiern. Heute ist es ja zum Glück nicht mehr ganz so ungewöhnlich, wenn eine Frau selber fährt und sich nicht nur hinten auf den Sozius klemmt. (Ist ja auch tierisch unbequem da, soweit ich mich erinnere.) Früher dagegen... Und auch heute noch erscheint das manchen Zeitgenossen offensichtlich irgendwie eigenartig. Also, ich könnte da Sachen erzählen. Und das tue ich hier bestimmt auch, immer wieder mal.

Bis bald!

 







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