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Build Your Bike #BYB2016 Teil 3: Schraubenschlüssel und Nusskästen

 

Bisher haben wir uns in Teil 1 unserer Reihe Build Your Bike #BYB2016 kompletten Werkzeugkoffern gewidmet und in Teil 2 Schraubendreher näher unter die Lupe genommen. Im jetzigen Teil 3 unserer Reihe Build Your Bike #BYB2016 kümmern wir uns um Tools, mit denen Muttern oder Schrauben mit Außensechskant-Köpfen gelöst oder angezogen werden können. Dafür kommen bekanntlich neben Schraubenschlüsseln auch Nüsse mit entsprechenden Ratschen (Knarren) oder Griffen in Betracht.

 

 

 

 

Dies ist ein Themenfeld, in dem man einige erstaunliche Meinungsäußerungen hören kann, wenn man sich bei einem gepflegten Kaffee an dem einen oder anderen Motorrad-Treffpunkt umhört. „Gute Schlüssel erkennst Du oft daran, dass sie besser passen und auf der Mutter nicht oder weniger wackeln als billiges Werkzeug“ haben wir schon oft und immer wieder gerne gehört. In solchen Situationen nehmen wir uns gerne still schmunzelnd unsere Kaffeetasse, um uns mit einem unverbindlichen „Ach, ja. Na, dann bis demnächst“ aus dem Staub zu machen.

 

 

 

 

Warum? Tja, eine solche These setzt voraus, dass das jeweilige Gegenstück, als die Mutter oder Schrauben mit einem Außensechskant-Kopf, selbst völlig unbeschädigt und vor allem hinsichtlich der eigenen Größe genormt sein müsste. Ansonsten bleibt im Falle, dass sich das Werkzeug auf der Mutter sehr hin und her bewegen lässt, die Frage offen, ob das Werkzeug zu groß und damit ungenau oder ausgeleiert oder aber der Schraubenkopf zu klein ist oder abgeschliffen ist. Wer aber kann schon sicher sein, an seinem Bike eine genormte und vollständig unbeschädigte Mutter vorzufinden, die als Maß herhalten könnte?

 

 

 

 

Nach unserer Auffassung wird man auch bei diesen Tools leider erst im Laufe der Zeit feststellen können, wie gut die jeweilige Qualität ist. Wenn sich nämlich die Ecken mit der Zeit ausformen und das Werkzeug dazu neigt, bei den meisten Muttern zu verrutschen, dann sind das ernsthafte Hinweise auf eine weniger überzeugende Qualität. Insofern wird auch dieser Teil unserer Build Your Bike Testreihe nicht schon jetzt abschließend etwas zur Qualität der einzelnen Werkzeuge sagen können.

 

 

 

 

Wenn wir uns nun zunächst den Schraubenschlüsseln zuwenden, stellen wir fest, dass sich die Inhalte der in Teil 1 unserer Reihe vorgestellten kompletten Werkzeugkoffer von Hein-Gericke, Louis (Rothewald), Meister und Stanley hinsichtlich des Umfangs kaum unterscheiden. Alle Sets beinhalten kombinierte Maul-Ringschlüssel, bei denen auf der einen Seite eben ein geschlossener Ring in der jeweiligen Größe die Mutter umschließt, während auf der anderen Seite für schlechter zugängliche Situationen ein halboffenes Maul die Muttern greifen soll.

 

 

 

 

Während die Sets von Hein-Gericke und Meister jeweils 9 Schlüssel in den Größen 8, 10, 11, 12, 13, 14, 17, 19 und 22 mm umfassen, liefert Stanley insgesamt 11 Schlüssel in den Größen 7-19 mm zzgl. eines Rollgabelschlüssels bis 29 mm. Einen solchen Rollgabelschlüssel, allerdings nur bis maximal 25 mm, liefert auch Meister zusätzlich. Der größte Umfang an Schraubenschlüsseln findet sich dagegen im Rothewald-Koffer von Louis: Insgesamt 16 Maul-Ring-Schlüssel in den Größe 6-19, 21 und 22 mm befinden sich in diesem Koffer.

 

 

 

 

Nun ist die reine Stückzahl alleine nicht unbedingt ein wesentliches Qualitätskriterium für eine Motorrad-Hobby-Werkstatt. Immerhin werden hier doch in den allermeisten Fällen nur wenige Standard-Größen benötigt. Insbesondere die ganz kleinen Größen unterhalb von 8 mm benötigt man – wenn überhaupt - höchstens einmal bei individuellen Navi- oder Kamerahalterungen. Und auch diverse Zwischengrößen werden in aller Regel unbenutzt und frisch glänzend ihr Dasein im Koffer fristen.

 

 

 

 

Auch was die Handlichkeit angeht oder die Frage, wie gut die einzelnen Schraubenschlüssel in der Hand liegen, können wir keine wirklichen, für die Funktion bedeutenden Unterschiede erkennen. Die Produkte der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich höchstens in Nuancen, ohne dass wir da eine sachliche Differenzierung vornehmen wollten.

 

 

 

 

Ganz anders sieht es dagegen bei dem Schraubenschlüssel-Set 600LG/8 von HAZET aus: Dieses Set beschränkt sich zum einen auf die am häufigsten benötigten Größen 10, 13, 14, 17, 19, 24, 27 und sogar 32. Damit werden nicht nur deutlich größere Muttern als bei den anderen Sets handlebar. Darüber hinaus sind diese Schraubenschlüssel alle etwa 25 % länger als die üblichen Schlüssel und erlauben durch ihre verstärkte Verarbeitung eine um ebenfalls bis zu 25 % höhere Kraftentfaltung.

 

 

 

 

Das heißt, dass bei entsprechend vorhandenem Platz im Arbeitsbereich durch den längeren Hebel deutlich weniger Kräfte aufgewandt werden müssen, um fest sitzende Muttern zu lösen. Selbstverständlich bergen diese langen Hebel andererseits auch den Nachteil in sich, dass sie bei beengten Platzverhältnissen unter Umständen sogar gar nicht einzusetzen sein könnten.

 

 

 

 

Uns aber hat dieser Unterschied des HAZET-Sets gegenüber den anderen Schlüssel-Sets sehr überzeugt und wir werden diese Schlüssel künftig zweifelsohne häufig im Einsatz haben. Allein der ohne Frage hohe Preis von etwa 150 Euro für das komplette Set hat uns kurz zweifeln lassen, ob wir hierfür die volle Punktzahl vergeben. Aber am Ende haben wir uns dann doch für dieses aus unserer Sicht herausstechende Set entschieden, bei gerade noch vollen 5 von 5 möglichen LikeBikes zu landen.

 


 

 

 

 

 

Die sich bislang keinerlei Fehler leistenden aber in puncto Umfang und Einsatzfähigkeit ganz durchschnittlichen Sets von Hein-Gericke, Louis, Meister und Stanley kommen dann auch allesamt und konsequent zu ebenso durchschnittlichen 3 von möglichen 5 LikeBikes.

 


 

 

 

 

Unser nächster Blick gilt dann den Nuss-Einsätzen und Ratschen (Knarren), die uns zur Verfügung stehen. Hier sind die Unterschiede zwischen den Anbietern kompletter Werkzeugkoffer wieder größer:

 

 

 

 

Hein-Gericke stellt 14 Nüsse mit 1/2-Zoll-Verbindung sowie 13 Nüsse mit einer 1/4-Zoll-Verbindung zur Verfügung und deckt damit den Bereich zwischen 4 und 32 mm ab. Ergänzt werden diese Nüsse um zwei Ratschen, die im vergleich zu den Modellen anderer Anbieter eine Besonderheit aufweisen: Die Griffe der 1/2- bzw. 1/4-Zoll-Knarren sind leicht abgewinkelt. Als wir kürzlich bei einer Fazer aus dem Redaktions-Fuhrpark das zentrale Federbein gewechselt haben und dazu einige weit unten liegende und schlecht zugängliche Muttern lösen mussten, waren wir über dieses Feature sehr dankbar, hat es uns doch aufgeschrammte Fingerkuppen erspart. Bei dieser Arbeit sind alle anderen Knarren der übrigen Anbieter wohlweislich in den Koffern geblieben...

 

 

 

 

 

 

Der Rothewald-Koffer spuckt dagegen sogar 3 Knarren aus: Neben den beiden mit 1/2- und 1/4-Zoll-Verbindung finden wir eine weitere Knarre mit 3/8-Zoll-Verbindung. Dementsprechend teilen sich die vorhandenen Nüsse ebenfalls auf diese drei Größen auf (13 mal 1/2-Zoll, 10 mal 3/8-Zoll und 12 mal 1/4-Zoll) und decken mit den insgesamt 35 Exemplaren ebenfalls den Bereich zwischen 4 und 32 mm ab. Dementsprechend sind einige Größe auch mehrfach und für verschiedene Knarren gleichzeitig vorhanden

 


 

 

 

 

Der Koffer von Meister kommt für das gleich große Einsatzgebiet von 4 bis 32 mm mit insgesamt 26 Nüssen und zwei Knarren aus. Er entspricht daher im Umfang in etwa dem Exemplar von Hein-Gericke.

 

 

 

 

 

Im Vergleich zu diesen Modellen werden Käufer des Stanley-Koffers FatMax vielleicht ein wenig enttäuscht dreinschauen: Mit nur 16 Nüssen und nur einer einzigen Knarre wird der Bereich von 8 bis 32 mm abgedeckt. Wie schon eingangs bei den Schraubenschlüsseln dargestellt, ist der nicht abgedeckte Bereich unter 8 mm am Motorrad allerdings auch nicht so dramatisch, findet man dort doch kaum entsprechende Muttern vor. Wer dann auch noch den kleinen beigefügten Bitkasten öffnet, findet auch noch zusätzlich eine kleine handliche Knarre.

 

 

 

 

 

Selbstverständlich haben wir uns bei diesen Sets auch die Knarren etwas genauer angesehen. Immerhin ist es bei diesen Werkzeugen wichtig, dass sie über eine ausreichend große Zahl von Rastungen verfügen, um auch unter beengten räumlichen Verhältnissen eingesetzt werden zu können: Hat eine Knarre eine nur grobe Rastung, sind unter Umständen zu große Distanzen zwischen zwei Einrastpunkten zu überwinden, als dass im Einzelfall ausreichende Bewegungsfreiheit vorhanden ist.

 

 

 

 

 

Wir haben dazu die Knarren jeweils in einen Schraubstock gespannt – darauf achtend, dass die Sicherungskugeln nicht zwischen den Wangen eingeklemmt werden – und haben die Anzahl der Rastungen gezählt, bis die Knarre eine komplette 360-Grad-Kreisbewegung vollzogen hat. Dieser Test hat nur ganz geringe, funktionell nicht ins Gewicht fallende Unterschiede zwischen den jeweils gleich großen Ratschen ergeben, so dass sich insoweit kein nennenswerter Unterschied zwischen ihnen ergibt.

 

Insgesamt bewerten wir daher die Nuss- und Knarrensets der Werkzeugkoffer von Hein-Gericke, Louis und Meister funktionell vergleichbar mit guten 4 von 5 möglichen LikeBikes.

 


 

 

 

Lediglich das Set von Stanley fällt - leider wieder einmal - nur wegen seines im Vergleich zu seinen Konkurrenten extrem hohen Kaufpreises etwas ab und muss sich mit drei von 5 möglichen LikeBikes zufrieden geben.

 


 

 

 

Außerdem schauen wir uns einen kleinen 1/4-Zoll Nusskasten 4430.205 der Firma Carolus an. Das knapp 50 Euro teure Exemplar ist mit 13 Nüssen ausgestattet, die den Bereich von 4 – 14 mm bei Vielzahnmuttern abdecken und mit einer Knarre oder alternativ einem Griff benutzt werden können.

 

 

 

 

Allerdings erscheint uns das abgedeckte Spektrum nur bis 14 mm als zu gering und damit nicht wirklich für den Einsatz in einer Hobby-Motorrad-Werkstatt ausreichend, auch wenn die zusätzlich enthaltenen Bits für Kreuz-, Schlitz-, Innensechskant- und Torx- sowie Vielzahnschrauben helfen können, wenn man mal gerade keine richtigen und passenden Schraubendreher zur Hand hat. Immerhin macht der mitgelieferte Griff mit einer angenehm weich gepolsterten Fläche für diese Einsatzzwecke eine recht gute Figur. Und für einen Preis von etwa 50 Euro kommt dieses Set allemal und zumindest als sinnvolle Ergänzung der Standard-Tools für Besitzer neuer Motorräder in Betracht, an denen sich häufiger Vielzahnschrauben finden lassen.

 

 

 

Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung einer besonders schmal gestalteten und sehr fein rastenden Knarre vergeben wir allein für die Nutzung als sinnvolles Zusatz-Set 4 von 5 möglichen LikeBikes, als Basis-Tool wären es kaum drei.

 


 

 

 

Auch das etwa 150 Euro teure 1/2-Zoll Set „Rnano“ von FACOM kann uns aus vergleichbaren Gründen nicht wirklich überzeugen:

 


 

Auch dieses Set beinhaltet lediglich 10 Nüsse für einen Einsatz von 5,5 mm bis 14 mm und wird mit einer Knarre, einem Griff sowie einigen Bit-Einsätzen komplettiert. Hier gilt das gleiche, wie wir schon zu dem Carolus-Set beschrieben haben.

 


 

Deswegen kommt dieses Set auch unter Berücksichtigung des hohen Kaufpreises in unserer Bewertung der Einsatzfähigkeit und des Nutzens in einer Hobby-Motorrad-Werkstatt über mehr als 2 von möglichen 5 LikeBikes nicht hinaus.

 


 

 

 

Im nächsten Teil 4 unserer Reihe Build Your Bike #BYB2016 werden wir uns mit Zangen und Schneide-Tools befassen.

 

 




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